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„Gesetzliche Rentenversicherung hat die beste Rendite“

Von Matthias W. Birkwald, erschienen in Clara, Ausgabe 34,

Was passieren muss, damit die Rente auch in Zukunft sicher und finanzierbar ist, erläutert der Rentenexperte Matthias W. Birkwald.

Die Menschen werden immer älter und immer wieder heißt es, die Renten seien nicht finanzierbar. Stimmt das?   Matthias W. Birkwald: Als die Rentenversicherung im Kaiserreich eingeführt wurde, haben 12 bis 15 Arbeiter einen Rentner finanziert. In den 1960er Jahren waren dazu noch sechs Beschäftigte nötig. Heute reichen drei Berufstätige aus. Die steigende Arbeitsproduktivität und stetiges Wachstum machen das möglich. Das gilt im Prinzip auch für die Zukunft.    Die gesetzliche Rente ist also sicher und finanzierbar?   Das hängt von politischen Entscheidungen ab. Wenn endlich auch Selbstständige, Rechtsanwälte, Politikerinnen und Beamte ohne Beitragsbemessungsgrenze in die Rentenversicherung einzahlten, wäre sie sicher und finanzierbar. Würde man zudem die Beiträge moderat anheben und die „Mütterrente“ aus Steuergeldern finanzieren, dann hätte die gesetzliche Rentenversicherung ausreichend Einnahmen, um das Rentenniveau anzuheben und die Abschläge bei den Erwerbsminderungsrenten für Kranke abzuschaffen.    Weshalb setzt sich DIE LINKE für die gesetzliche Rentenversicherung ein?   Weil nur die gesetzliche Rente wieder den Lebensstandard im Alter sichern könnte, bei chronischen Krankheiten Reha-Maßnahmen oder eine Erwerbsminderungsrente bezahlt sowie bei Müttern und Vätern zwei bis drei Jahre Kindererziehung absichert.    Die private Versicherungsindustrie wirbt mit hohen Renditen.   Das ist Quatsch! Die gesetzliche Rente bringt die beste Rendite: Für einen durchschnittlich verdienenden Versicherten mit 45 Beitragsjahren und Rentenbeginn im Jahr 2014 liegt die Verzinsung je nach Geschlecht, Familienstand und Alter zwischen 3,2 und 3,8 Prozent. Im Jahr 2040 wird sie voraussichtlich zwischen 3,0 und 3,4 Prozent liegen. Vorausgesetzt, dass CDU/CSU und SPD die Rente nicht noch weiter kürzen.   Die Politik wirbt trotzdem weiterhin für die private Altersvorsorge, insbesondere für die Riester-Rente.   Jüngst wurde bekannt, dass der ehemalige Chef des Versicherungskonzerns AWD, Carsten Maschmeyer, Ex-Kanzler Gerhard Schröder zwei Millionen Euro überwiesen hat. Fakt ist: Die Menschen wurden und werden mit der Riester-Rente betrogen. Niemand versteht die Verträge, die angeblich garantierten Zinsen sind im Keller. Geringverdienende können sie sich nicht leisten. Und bei 1,25 Prozent garantierten Zinsen kann man sein Geld gleich unters Kopfkissen legen.    Auch in diesem Jahr unterstützen CDU/CSU und SPD mit 3,5 Milliarden Euro Steuergeld die Riester-Förderung.    Bis zum Jahr 2018 werden dann 43,6 Milliarden Euro Steuergelder in dieses sinnlose Produkt verpulvert worden sein – viel Geld, das DIE LINKE lieber Jahr für Jahr zur Armutsbekämpfung ausgeben würde.   Matthias W. Birkwald ist rentenpolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE

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