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Für Frauen unverzichtbar

Von Cornelia Möhring, erschienen in Clara, Ausgabe 30,

Kommentar von Cornelia Möhring.

Mindestlohn sei der unternehmerische Untergang, er katapultiere Frauen zurück an den Herd. So klingen Szenarien von Wirtschaftsinstituten und dem Herbstgutachten der Bundesregierung. Die Praxis lehrt anderes. Frankreich, Belgien, Irland und andere zeigen: Ein flächendeckender gesetzlicher Mindestlohn stärkt Kaufkraft und Rente. Skandinavische Länder kennen zwar keine derartigen Regelungen, zahlen trotzdem gute Mindestlöhne. Die Frauenbeschäftigungsquoten sind fast überall ungleich höher als in Deutschland. Mindestlohn ist also wirtschafts- und sozialpolitisch erfolgreich.

Bei uns böte er zunächst vielen Frauen die Chance, aus Zuverdienst- und Aufstockerpositionen in eine ökonomische Unabhängigkeit von Familie, staatlicher Fürsorge oder dem Zweitjob zu kommen. Für eine auskömmliche Rente von Frauen mit Kindern ist ein Mindestlohn von 8,50 Euro allerdings noch viel zu niedrig, denn sie kommen selten auf 45 Berufsjahre.

In Zukunft kann es auch nicht nur um die gleiche Mindestbezahlung gehen, sondern ebenso um eine gerechte Umverteilung von Erwerbsarbeit, Sorgetätigkeiten, Zeit und Einkommen zwischen den Geschlechtern. Dazu zählt eine realistische Bewertung aller Berufe, dann die Begründung von Lohnunterschieden zwischen Tätigkeiten mit Kindern, Patienten und älteren Menschen und Tätigkeiten an der Stahlplatte, am Auto oder auf dem Bau überholte Ideologie ist.

Cornelia Möhring ist frauenpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE

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