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Frauen in Nahost: Die Hoffnung ist weiblich

erschienen in Clara, Ausgabe 11,

Während der jüngste Krieg zwischen Israel und Palästina gerade seinen Höhepunkt erreichte, kamen Inna Michaeli aus Tel Aviv und Amal Khreishe aus Ramallah nach Berlin. Unsere Fraktion hatte sie eingeladen, um mit Ihnen über die Möglichkeiten eines Friedensprozesses und die Umsetzung der UN-Resolution 1325 zum Schutz von Frauen und Mädchen in Kriegs- und Krisengebieten auf der frauenpolitischen Veranstaltung »Shalom - Salam« zu sprechen. Zu Beginn ist es für die Palästinenserin Amal nicht leicht, diesen Dialog aufzunehmen: »Der Kummer und die Wut über das Leiden der Zivilbevölkerung in Gaza machen mir das Herz zu und schneiden mir die Worte ab«, sagt Amal Khreishe als sie in Berlin eintrifft.

Inna Michaeli bewegen gleiche Gefühle. Sie ist wütend über den Ausbruch des Krieges und noch mehr darüber, dass die jahrelange Arbeit der friedensorientierten Frauenbewegung auf beiden Seiten bedroht zu sein scheint. Deswegen demonstrierte Inna zusammen mit ihren Freundinnen und Kolleginnen von der »Koalition der Frauen für den Frieden« gegen den Einsatz des israelischen Militärs.

Sie glaubt fest daran, dass eine Verständigung zwischen Israelis und Palästinensern möglich ist. Als Inna 1992 mit ihrer jüdischen Familie aus St. Petersburg nach Israel kam, musste sie selber lernen, sich in der für sie fremden Umgebung zu integrieren. Diese Erfahrung hinterließ Spuren und gab ihr die Kraft für ihr Engagement. Inna Michaeli spricht schnell, artikuliert dabei scharf und präzise. Ihre wichtigste Botschaft bei ihrem Besuch in Deutschland ist: »Wir, die Zivilgesellschaft Israels, die sich für einen nachhaltigen Frieden einsetzt, brauchen weiterhin Eure Unterstützung.«

Zunächst schien es für Amal Khreishe einfacher zu sein, sich in Berlin mit ihren Kolleginnen über Perspektiven für den Frieden zu verständigen. Als aber am zweiten Tag der Veranstaltung in Gaza ein UN-Zentrum und ein Krankenhaus von Bomben getroffen werden und Amal ihre Mitarbeiterinnen in Gaza nicht mehr erreichen kann, ist sie fassungslos.

Amal hat in ihrem Leben schon Unglaubliches bewältigt. Mit der Unterstützung ihres Mannes befreite sie sich aus den traditionellen Rollenmustern arabischer Gesellschaften und setzte sich für die Rechte von Frauen ein. Heute ist Amal Khreishe die führende Sprecherin der palästinensischen Frauenbewegung. Gerade hat sie, obwohl längst Großmutter, das Studium der Internationalen Beziehungen an der Birzet Universität abgeschlossen.

So unterschiedlich manche Perspektiven auch sein mögen, das Engagement für eine gewaltfreie Welt und die Verbesserung der Situation von Frauen einen Inna und Amal. Seit langem setzen sie sich zusammen mit anderen Frauen für einen dauerhaften Frieden im Nahen Osten ein, obwohl sie sich persönlich kaum treffen können. Amal hat keine Chance, nach Tel Aviv zu reisen, und auch für Inna ist es nicht ohne weiteres möglich, nach Ramallah zu fahren. Dieser Umstand macht deutlich, wie schwierig es für Friedensaktivistinnen in Israel und in den palästinensischen Gebieten ist, ihre politischen Botschaften einander zu vermitteln. Vielleicht sind die beiden deswegen während ihres Aufenthaltes in Berlin zusammen mit ihren Kolleginnen Shula Kneshet und Nabila Espanioly ständig am Reden. Die vier Frauen bewältigen zahlreiche Veranstaltungen und Interviews in Rekordzeit. Darin wird immer wieder deutlich: Sie haben eine gemeinsame Botschaft, die sie zusammen mit den Bundestagsabgeordneten Monika Knoche, stellvertretende Fraktionsvorsitzende, und Kirsten Tackmann, frauenpolitische Sprecherin, in einer Erklärung verabschieden: Das Blutvergießen muss ein Ende haben.

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