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Frauen. Fragen. Politik.

erschienen in Clara, Ausgabe 23,

Ein Gespräch mit der neuen frauenpolitischen Sprecherin Yvonne Ploetz
 über Frauenpolitik, Gleichstellung und ein neues Magazin für Frauen.

Sie sind jetzt seit gut drei Monaten die
neue frauenpolitische Sprecherin
der Fraktion DIE LINKE.
Wie fällt die eigene Bilanz aus?


Yvonne Ploetz: Alles in allem bin ich richtig zufrieden. Wir haben etliche politische Initiativen denkbar gut auf den Weg gebracht, werden einen Imagefilm zum Frauenplenum drehen und reagieren tagesaktuell auf politische Geschehnisse. Den diesjährigen Internationalen Frauentag am 8. März werden wir frisch, frech, fröhlich und mal ganz anders feiern, und
 die ersten parlamentarischen Initiativen sind auf dem Weg. Auch die geplante Kampagne »Frauen und Krise« nimmt konkrete Formen an.

Sie sind mit gerade mal 27 Jahren
die jüngste Abgeordnete in der
Fraktion. Und jetzt gleich die »Chefin«, die Sprecherin der Fraktionsfrauen.
Wie fühlt sich das an?

Es ist für mich noch sehr ungewohnt, eine solch herausgehobene Rolle zu haben.
Man spürt förmlich die Erwartungshaltung, wie ich diese Position mit Inhalten fülle. Aber ich genieße auch das Vertrauen der anderen. Ich finde, ein junges Gesicht kann der Frauenpolitik durchaus gut tun. Sonst hätte ich mich ja auch nicht zur Wahl gestellt.

Frauen sind keine homogene Gruppe. Jung und alt, Akademikerinnen und Frauen in unterbezahlten Jobs, mit und ohne Kinder, Studentinnen, arbeitslose Frauen, dazu noch Ost und West.
Wie bekommen Sie das unter einen Hut? 

Frauenpolitik betrifft ja fast jede Facette des Lebens. Allen gerecht zu werden
 ist – wenn überhaupt – nur auf lange
 Sicht möglich. Beispielsweise kümmern 
wir uns derzeit um Frauen in der Ausbildung, um Frauen in der Rente, um Frauen in der rechtsextremen Szene, 
um Frauen in Chefetagen, um Genitalverstümmelung bei jungen Mädchen, um den Gender Pay Gap, um die frauenspezifischen Krisenfolgen. Wichtig ist, Frauenpolitik komplex zu denken, grundsätzliche Lösungen zu finden, Lösungen, die den Lebensansprüchen und Bedürfnissen der Frauen gerecht werden.

Zwei Jahre verbleiben noch in dieser Legislaturperiode. Das ist nicht viel, wenn man politische Weichen stellen möchte. Was würden Sie gern erreichen?

Ich möchte eine andere Sicht in der öffentlichen politischen Debatte erreichen. Derzeit ist Frauenpolitik stark konservativ vereinnahmt. Es wird fast ausschließlich über die privilegierte Frau in der Chefetage gesprochen, die an die gläserne Decke stößt. Das zu thematisieren ist wichtig und richtig. Aber es gibt noch die andere Seite: unfreiwillige Teilzeitarbeit, Niedriglöhne,
das Aufstocken mit Hartz IV trotz Arbeit, Befristungen, drohende Altersarmut. Linke Frauenpolitik muss meines Erachtens sich gerade diesen Frauen verpflichten und ihre prekäre Situation in den Blick nehmen.

Pünktlich zum Weltfrauentag im März gibt die Fraktion DIE LINKE ein neues Frauenmagazin heraus. »Lotta« heißt es. Was will »Lotta«?

»Lotta« will feministische Themen aufnehmen, in aktuelle frauen- und gleichstellungspolitische Debatten eingreifen, unangepasst sein, kritisch und hinterfragend. »Lotta« bedeutet auf Italienisch aber auch Kampf: Kampf um Gleichberechtigung und Gleichstellung, für gleiche Löhne, eine gerechte Verteilung der Arbeit und für soziale Gerechtigkeit.

Für wen ist »Lotta« gedacht,
 wie bekommt man sie?

»Lotta« erscheint dreimal im Jahr. Im Internet kann sie kostenlos abonniert oder im LINKE-Büro nebenan einfach abgeholt werden. Sie ist für Frauen und Männer. Für die Schlecker-Kassiererin und die Telekom-Managerin. In der ersten Ausgabe beleuchten wir beispielsweise, wie die Krise das Leben von Frauen beeinflusst, welche Kraft sie für den Alltag aufbringen müssen, aber auch, wie sie aufbegehren und sich wehren. In Deutschland, in Europa und anderswo. 

Yvonne Ploetz ist frauenpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE

Das Interview führte Gisela Zimmer.

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