Skip to main content

Flucht und Asyl – ein Thema auch für die Aids-Hilfe

erschienen in Lotta, Ausgabe 11,

Ute Hiller, Geschäftsführerin der Berliner Aidshilfe, spricht über die problematische Situation am Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales und über den Zusammenhang zwischen Aids- und Flüchtlingshilfe.

August 2015: Es ist drückend heiß, 40 Grad, pralle Sonne. Draußen vor dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (LaGeSo) werden die Schlangen von wartenden Menschen immer länger, die Flüchtlinge sitzen in brütender Hitze auf der Wiese gegenüber. Kein Wasser, kein Schatten, stundenlanges Ausharren. Die Mitarbeiter des Amtes sind auf den Ansturm der Geflüchteten nicht vorbereitet und überfordert. Es gibt keine Notunterkünfte, keine Toiletten. Hilfeaufrufe von Privatpersonen gehen über die sozialen Netzwerke. Ute Hiller, Geschäftsführerin der Berliner Aids-Hilfe, sieht so einen Aufruf. Schon am nächsten Tag ist sie mit ihrem Verein vor Ort, bringt Wannen voller Hygieneartikel und rezeptfreie Medikamente. „Wir waren entsetzt, wie sichtbar die Strapazen der Flucht waren. Wir haben Kinder gesehen, die komplett ihre Zähne verloren hatten, Menschen mit einem starken Immundefekt oder chronischen Erkrankungen. Das muss nicht auf HIV hinweisen, sondern können auch andere schwere Krankheiten sein.“ Es sei entsetzlich, mit anschauen zu müssen, „wenn sich das Leid der Menschen durch die katastrophalen Bedingungen in Deutschland verstärkt“, fügt Ute Hiller hinzu.

Vier Monate später. Inzwischen ist es bitterkalt. Immer mehr Geflüchtete kommen in Berlin an. Die Berliner Aids-Hilfe weiß um Flucht und Asyl, denn seit ihren Anfängen in den 1980er Jahren betreut sie HIV-Positive mit Asylstatus. Abschiebung, Verhandlungen mit den Ämtern, medizinische Versorgung, Dolmetscher, Kontakte zu Kliniken und Ärzten – das sei Alltag für Ute Hiller wie für alle Beraterinnen und Berater. Ungefähr dreimal so viele geflüchtete Menschen wie vorher betreut der Verein seit Sommer dieses Jahres. Die Arbeit hätte sich um vieles erweitert, erzählt Ute Hiller. Die Menschen bekämen keine Kostenübernahmen oder Wohnplätze mehr, kampieren irgendwo. Konnten die Experten der Aids-Hilfe noch in den Monaten zuvor Menschen relativ schnell durch den Bürokratiedschungel am LaGeSo lotsen, sei jetzt jeder Schritt zeitaufwendig und personalintensiv. Trotzdem hat sich das Engagement gelohnt. Gemeinsam mit dem Lesben- und Schwulenverband der Stadt legte die Berliner Aids-Hilfe den Grundstein für eine medizinische Versorgung am LaGeSo. Inzwischen ist die Caritas vor Ort und koordiniert diese Arbeit.