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Feministische Allrounderin

Von Cornelia Möhring, erschienen in Clara, Ausgabe 34,

Als Referentin für feministische Politik befasst sich Jana Hoffmann mit fast allen Themen, die im Bundestag behandelt werden.

Wie ein roter Faden zieht sich die Leidenschaft für feministische Politik durch Jana Hoffmanns Leben. Sie studierte in Chemnitz und Wien Politikwissenschaften und Philosophie. Einer der Schwerpunkte ihres Studiums: Gender Studies, also Geschlechterforschung. Gleichzeitig arbeitete die heute 32-Jährige für den studentischen Dachverband fzs als Referentin für Frauen- und Gleichstellungspolitik. Seit Sommer 2011 ist sie als Referentin für feministische Politik bei der Bundestagsfraktion DIE LINKE beschäftigt.    In enger Abstimmung mit Cornelia Möhring, der frauenpolitischen Sprecherin der Fraktion, managt sie den Bereich Frauenpolitik. Für Jana Hoffmann ist Feminismus mehr als nur Gleichstellung. „Ziel ist das freie und selbstbestimmte Leben aller Menschen, egal welchen Geschlechts“, sagt sie.    Im Gegensatz zu vielen Referenten und Referentinnen, die sich mit einem Fachthema befassen, beschäftigt sich Jana Hoffmann mit fast allem: Ob es um die Zukunft von Kitas und Pflegeeinrichtungen geht oder um Pläne zur internationalen Konfliktlösung, ihre Aufgabe besteht darin, stets auf die speziellen Belange von Frauen hinzuweisen. Sie achtet zum Beispiel darauf, dass die niedrigen Löhne der mehrheitlich weiblichen Beschäftigten in Kitas und Senioreneinrichtungen ebenso thematisiert werden wie deren widrige Arbeitsbedingungen. Und bei internationalen Krisen betont sie die besondere Rolle der Frauen, als Opfer von Kriegen und Konflikten und als Teil ziviler Lösungen.   Jana Hoffmanns Arbeitsrhythmus bestimmt der Sitzungskalender des Deutschen Bundestags. In Wochen, in denen das Parlament tagt, jagt eine Besprechung die nächste: Arbeitskreissitzungen, Bereichsbesprechungen, Fraktionsversammlungen, Redaktionstreffen, Fachgespräche und Koordinationsrunden. Dazu kommen in regelmäßigen Abständen Sitzungen mit den frauenpolitischen Sprecherinnen und Sprechern der Fraktionen der LINKEN im Europäischen Parlament und in den Landtagen.    In Zeiten, in denen der Bundestag nicht zusammentritt, findet sie Gelegenheit, Liegengebliebenes aufzuarbeiten. Dann liest sie Newsletter, sichtet Presseveröffentlichungen und wälzt Fachpublikationen.    „Diese Arbeit liebe ich“   Zudem ist Jana Hoffmann eine der Redakteurinnen der feministischen Zeitschrift Lotta, die dreimal pro Jahr von der Fraktion DIE LINKE herausgegeben wird. Sie konzipiert das Magazin, bereitet die Themenauswahl vor und schlägt Schwerpunkte und Akzente der jeweiligen Ausgabe vor. „Diese Arbeit liebe ich“, sagt sie. Lotta sei ein Medium, um Frauen für feministische Politik und für DIE LINKE zu begeistern.    Schließlich kümmert sich Jana Hoffmann um die Details parlamentarischer Arbeit: Sie analysiert die Initiativen der politischen Konkurrenz, bewertet Gesetzesvorschläge und formuliert Kleine Anfragen an die Bundesregierung. Mittels einer solchen Anfrage skandalisierte sie beispielsweise, dass die Deutsche Bahn AG die rechtskonservative Demonstration „Marsch für das Leben“, die alljährlich in Berlin stattfindet, unterstützt, nämlich durch spezielle Billigtickets für die in Gruppen anreisenden Abtreibungsgegner und -gegnerinnen.   Politische Erfolge sind selten – eine Erfahrung, die sie mit einem Großteil der Opposition teilt. Umso größer ist die Freude über Initiativen, die Wirkung entfalten. „Wir haben als Fraktion beispielsweise erreicht, dass die besondere Betroffenheit von älteren Frauen in Bezug auf die Altersarmut herausgestellt wird“, sagt Jana Hoffmann. Das sei das Ergebnis vieler parlamentarischer Initiativen, einiger Fachgespräche und beständiger Öffentlichkeitsarbeit. „Mittlerweile wird nicht mehr diskutiert, ob Frauen durch Minijobs oder Auszeiten wegen Kindererziehung armutsgefährdeter sind, sondern nur noch, wie das wirkungsvoll geändert werden kann“, sagt sie.

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