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Exklusivinterview: Das syrische Volk will Freiheit

erschienen in Klar, Ausgabe 24,

Klar sprach mit der syrischen Journalistin Mais Elkrydee. Sie gehört dem Koordinierungskomitee für den demokratischen Wandel in Syrien an. Das Koordinierungskomitee sammelt linke Gegner des Assad-Regimes. Ihre Prinzipien fassen sie so zusammen: »Nein zur Gewalt des Regimes, nein zur Einmischung von außen, nein zur Gewalt zwischen den Religionsgruppen.«

Was hat die Menschen in Syrien auf die Straße gebracht?

Viele Menschen sind arbeitslos, Kinder müssen arbeiten gehen. Die Einkommen sind sehr gering. Die Familie des Präsidenten Assad hat den Reichtum Syriens unter sich aufgeteilt. Alle Institutionen sind in den Händen der Sicherheitskräfte und der herrschenden Baath-Partei. In Armee und Baath hat die Familie Assad das Sagen.

Wie hat das Regime reagiert?

Am Anfang forderten wir Reformen. Mittlerweile haben wir die Erfahrung gemacht: Wer Reformen fordert, auf den schießt die Armee. Assad ist nicht zu Reformen bereit, weil er Angst hat zu stürzen. Er hat den militärischen Ausnahmezustand aufgehoben. Gleich danach tötete die Armee 130 Menschen. Das Regime muss von Grund auf beseitigt werden.

Nun hat Präsident Assad Parlamentswahlen für Mai angekündigt. Was erwarten Sie davon?

Assad versucht bloß, Zeit zu gewinnen. Das Regime wird die Waffen nicht schweigen lassen. Dennoch gehen Kinder gegen die Panzer auf die Straße und rufen Parolen. Ich habe gesehen, wie sie in der Stadt Homs in weißen Leichentüchern auf den Demonstrationen erscheinen. Sie zeigen, dass sie den Tod nicht fürchten. Das syrische Volk wird nicht zurückweichen.

Sie gehören der religiösen Minderheit der Drusen an. Welche Rolle spielt die Religionszugehörigkeit in der Bewegung?

Assad versucht die Bewegung zu spalten, indem er religiöse Minderheiten bewaffnet. In unserer Bewegung machen wir keine Unterschiede. Eine populäre Parole der Demonstranten: »Das syrische Volk ist eins.«

Welche Rolle spielen Frauen in der Revolution?

Ich bin eine linke Frau, aber viele Frauen aus traditionellen Regionen haben sich früher nicht an Sitzungen mit Männern beteiligt. Nun gehen sie auf die Straße und rufen nach Freiheit und Demokratie.

In den westlichen Medien wird über eine militärische Intervention diskutiert. Wie stehen Sie dazu?

Die Menschen in Syrien sind verzweifelt. Das Regime hält ihnen das Messer an die Kehle. Assad provoziert die Debatte über eine Intervention, weil er die Revolution blutig unterdrückt. Eine militärische Intervention ist keine Lösung. Meine Hoffnung liegt auf dem Widerstand in Syrien.

 

Interview: Lucia Schnell

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