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»Es geht um das gute Leben«

Von Katja Kipping, erschienen in Klar, Ausgabe 35,

Auch wer noch nie DIE LINKE gewählt hat, kann bei der Kampagne »Das muss drin sein.« mitmachen, sagen Katja Kipping und Bernd Riexinger.

 


Warum startet DIE LINKE diese Kampagne?

Katja Kipping: Die Arbeits- und Lebensverhältnisse von immer mehr Menschen werden immer unsicherer. Existenzängste bestimmen stärker denn je den Alltag.

Was meinen Sie genau damit?

Kipping: Dass immer mehr Menschen wegen befristeter Jobs ihre Zukunft nicht planen können, Mietwucher sie zu Umzügen zwingt, Jobcenter sie drangsalieren und es kaum gute Arbeitsplätze gibt. Es geht uns um Menschen, deren Kinder in Armut aufwachsen. Die in unfreiwilliger Teilzeit von einem schlecht bezahlten Job zum nächsten hetzen und nur mit Angst an ihr Alter denken können. Das wollen wir thematisieren und verändern.

Wie?

Bernd Riexinger: Wir treten ein für ein Gesetz gegen sachgrundlose Befristungen und Leiharbeit. Wir streiten für eine sanktionsfreie Mindestsicherung anstelle von Hartz IV. Wir kämpfen für eine gerechte Verteilung der Arbeit durch Arbeitszeitverkürzung statt Dauerstress und Burn-out. Und wir wollen Wohnungen und Energie bezahlbar machen und mehr Personal bei Bildung, Pflege und Gesundheit einstellen.

Will die Kampagne nicht ein bisschen viel?

Kipping: Es geht uns um nicht weniger als um das gute Leben, das für jeden und jede drin sein muss. Wir betteln nicht um Almosen, wir streiten für Selbstverständlichkeiten in einem so reichen Land.

DIE LINKE ist im Bundestag in der Opposition. Wie wollen Sie all diese Forderungen durchsetzen?

Riexinger: Beim Mindestlohn haben wir bewiesen, dass es sich lohnt, einen langen Atem zu haben. Jetzt wollen wir zunächst unsere Forderungen in die Öffentlichkeit bringen. 

Kipping: Bei einzelnen Aspekten sehe ich gute Chancen, sie per Gesetzesänderung umzusetzen, etwa durch die Abschaf-fung der Sanktionen bei Hartz IV oder mit dem Verbot von Kettenbefristungen.

Wie wirkt die Bundestagsfraktion an dieser Kampagne mit?

Kipping: Sie unterstützt die Kampagne im Parlament. Hier bringt sie Anträge ein, setzt Themen und fühlt der Bundesregierung auf den Zahn. Außerdem engagieren sich die Abgeordneten in ihren Wahlkreisen für diese Kampagne.

Welche Bündnispartnerinnen und -partner helfen bei der Kampagne?

Riexinger: Das ist vom Thema abhängig. Wir arbeiten eng mit Erwerbsloseninitiativen zusammen, mit Beschäftigten und Gewerkschaften. Wir kooperieren mit Mietervereinen und sozialen Bewegungen.

Wie können die Bürgerinnen und Bürger bei der Kampagne mitmachen?

Riexinger: Vor Ort kann man sich an die Abgeordneten und ihre Wahlkreisbüros wenden. Aber es gibt auch zentrale Aktionen, über die wir im Netz informieren. Auch wer noch nie DIE LINKE gewählt hat, ist herzlich eingeladen.

 

Interview: Ruben Lehnert