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Energiewende statt Klimakriege

erschienen in Klar, Ausgabe 7,

Im Kinosaal erlischt das Licht, der Film springt an: Riesenwellen überfluten die Niederlande. Auf der Suche nach Obdach irren Hunderttausende Menschen in Richtung Deutschland. Die Bundesregierung macht die Grenze dicht. Als Flüchtlinge in ihrer Not den Grenzzaun erstürmen, eskaliert die Situation. Science-Fiction? So oder so ähnlich könnte die Wirklichkeit bald aussehen.

Heizt sich das Klima weiter auf, kommt es zu Umweltkatastrophen, die möglicherweise weltweit zu Krieg und Bürgerkrieg führen. Schmelzen die Polkappen, steigt der Meeresspiegel und bedroht die Existenz von Küstenstaaten und Inseln. In anderen Regionen, besonders in Afrika, bewirkt der Klimawandel verheerende Dürren und verknappt das Trinkwasser. Das Leben von zahllosen Menschen wäre gefährdet, Flüchtlingsströme ungekannten Ausmaßes die Folge. Dann trieben heute schon instabile Staaten wie Indonesien oder Niger ins Chaos. Konflikte zwischen den Verursachern des Klimawandels, zum Beispiel USA und Deutschland, und den betroffenen Staaten des Südens nähmen zu. Die Gefahr von Krieg und Bürgerkrieg würde wachsen. Monika Knoche (DIE LINKE): »Der Klimawandel bedroht das friedliche Zusammenleben von Menschen überall auf dem Globus.« Wolle man weltweit Frieden schaffen und sichern, sei es höchste Zeit, den Klimawandel zu stoppen und alternativen Energien endlich weltweit zum Durchbruch zu verhelfen, so die Expertin für Außenpolitik.

An alternativen Energien wie Wind, Wasser und Sonne führt aus einem weiteren Grund kein Weg vorbei: Erdöl und -gas sind endliche Energiequellen. Nach vorsichtigen Schätzungen decken die Erdölvorkommen noch höchstens 50 Jahre den weltweiten Bedarf. Weil aber die Nachfrage nach diesen Ressourcen beständig steigt, wird der Kampf um Öl- und Gasquellen unerbittlich geführt. Wer die Energiequellen kontrolliert, übt wirtschaftliche und politische Macht aus. So wird heute nicht nur der Irak-Krieg wegen der dortigen Ölquellen geführt. Auch die Bundesregierung kalkuliert mit Militäreinsätzen, wenn es ums Öl geht. Ein Strategiepapier der Bundesregierung von 2006 warnt, Deutschland hänge »in hohem Maße von einer gesicherten Rohstoffzufuhr« ab. Das Dokument, das die Aufgaben der Bundeswehr beschreibt, empfiehlt, die Energieversorgung notfalls auch mithilfe der Bundeswehr zu sichern. Für Monika Knoche steht deshalb fest: »Auch Ressourcenkonflikte bedrohen den internationalen Frieden im 21. Jahrhundert. Ohne eine radikale Energiewende hin zu erneuerbaren Energien wird es keinen Frieden geben.«

Vom Klimawandel sind übrigens die Staaten auf der Südhalbkugel am stärksten bedroht, obgleich sie weniger Erdöl verbrauchen und geringere Schuld am Klimawandel tragen als die Industriestaaten. »Sich für globale Gerechtigkeit einsetzen heißt, den betroffenen Ländern gegen die Bedrohung des Klimawandels
beizustehen«, so Knoches Fazit.

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