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Ein Mann fürs Klima im Großen und Ganzen

erschienen in Clara, Ausgabe 15,

Bernd Brouns ist Referent für Energie- und Umweltpolitik der Fraktion DIE LINKE. Das ist ein Tun nach seinem Geschmack. Und andere haben auch etwas davon.

Wikipedia hält einen Referenten zuallererst für eine Person, die ein Referat hält. Die zweite Variante beschreibt den Referenten als persönlichen Mitarbeiter eines Ministers. Über die Verlässlichkeit von Wikipedia kann man ganze Abende lang streiten. Aber das ist hier nicht das Thema. Das Thema ist ein Mann, der seit dem Frühjahr 2006 in der Linksfraktion Referent für Energie- und Umweltpolitik ist. Ein 36-jähriger, schlaksiger und recht großer Mann, der die Haare zu einem Pferdeschwanz bindet und vielleicht am liebsten Turnschuhe, Jeans und schwarze Shirts trägt. Das hat man vergessen zu fragen. Ist auch nicht so wichtig.

Bernd Brouns kommt aus Mönchengladbach. Er nickt verständnisvoll, als man zugibt, dass Mönchengladbach nur eines Fußballvereins wegen ein Begriff sei, und redet auch schon von Lüneburg, wo er nach Schule und Zivildienst studiert hat. Lüneburg, damit lässt sich schon mehr anfangen – nur ein Katzensprung vom Wendland entfernt. Anti-AKW-Bewegung, eine bis heute widerständige Bevölkerung. Bundesdeutsche Geschichte der besseren Art. Hoffnung also. Umweltwissenschaften war Mitte der neunziger Jahre, als Bernd Brouns anfing zu studieren, noch eine recht junge Angelegenheit – ein interdisziplinäres Studium, mit dem der Versuch unternommen wurde, Umwelt, Volkswirtschaftslehre, Kulturwissenschaften, Soziologie zusammenzudenken. Das gefiel ihm. Auch aus heutiger Sicht, sagt er, sei er damals schon ein Linker gewesen. Hatte gegen den Irakkrieg demonstriert, sich eine politische Haltung erarbeitet und aus der kein Hehl gemacht. Das Elternhaus, aus dem er kam, war kein unpolitisches, aber auch keines, in dem man für seine Überzeugungen auf die Straße ging. Da musste Bernd Brouns schon selbst hinkommen.

Das Studium verbrachte er, was politisches Denken anbelangt, in ganz gute Gesellschaft. »Das waren eine Menge Überzeugungstäter«, sagt er lächelnd. Umweltschutz, Klimapolitik – das alles waren zu dieser Zeit schon länger gesetzte Begriffe. Bernd Brouns befasste sich vor allem mit internationaler Klimapolitik, institutionalisiert vor allem durch die Vereinten Nationen. »Damals waren die Hoffnungen noch groß, herrschte Aufbruchstimmung, dass sich auf dieser Ebene viel tun lässt. Diese Hoffnung ist in den vergangenen Jahren stark gesunken. Wir wissen durch Kyoto und Kopenhagen, dass es auf solchen Veranstaltungen immer nur möglich ist, den kleinsten gemeinsamen Nenner zu finden. Das kann unser Klima nicht retten, zumal sich viele, die schon weiter waren, dann nur allzu gern auf diesen gemeinsamen Nenner zurückziehen und Zielmarken wieder runterschrauben.« Besonders Kopenhagen habe dies gezeigt, und deprimierend sei es sowieso.

Nach dem Studium folgte eine mehrjährige Arbeit im »Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie«, wo Bernd Brouns vorher ein Praktikum absolviert und als Hilfskraft gearbeitet hatte. In Lüneburg verdiente sich der Student Brouns einen Teil seines Lebensunterhalts als Schwimmmeister. Das bot sich an, hatte er doch als Kind und Jugendlicher Schwimmen als Leistungssport betrieben. Und Fußball. Am Ende konnte er sich nicht entscheiden, was von beidem schöner ist, also blieb es beim Hobby. Nur der Neugier halber: Wie viele Menschen rettete er im Lüneburger Hallenbad vor dem Ertrinken? »Ich musste nicht einmal reinspringen«, sagt er und grinst. »War auch besser so.«

Und nun, bevor man zu dem kommt, was Bernd Brouns heute macht, noch eine kleine Geschichte am Rande: Seine Diplomarbeit schrieb er zum Thema »Internationale Klimapolitik«. Und der Mann, der damals diese Arbeit betreute, sitzt heute für DIE GRÜNEN im Bundestag. Nur ein paar Zimmer entfernt vom Büro des Referenten der Linksfraktion. Da muss die Frage folgen, ob nicht DIE GRÜNEN auch für einen wie Brouns die passende Partei gewesen wären. Energie- und Umweltpolitik gehört – will man bei der historischen Wahrheit bleiben – nicht zu den originären Themen der Linkspartei und ihrer Vorgängerin. »Das hat schon seine Richtigkeit so«, sagt der Mann.

In der ersten Legislaturperiode, die Bernd Brouns im Deutschen Bundestag als Referent begleitete, ging es – neben vielen anderen Themen – sehr stark um den »Emissionshandel«, eine auch in der Fraktion heiß und kontrovers diskutierte Frage. Man könnte sagen, Emissionshandel ist eine Art des Ablasshandels, die den einen Mitnahmeeffekte und mehr Gewinn und den anderen Probleme und mehr Dreck beschert. Verlierer sind immer die Ärmeren. Man kann es auch anders sehen. In gewisser Weise ist man aber mit diesem Thema schon bei dem, was die Arbeit der Energie- und Umweltpolitikerinnen und -politiker der Linksfraktion von Beginn an prägt: der Versuch und das Bemühen, die ökologische und die soziale Frage zusammenzudenken. Es hat etwas damit zu tun, dass Forderungen nach Umwelt- und Naturschutz sehr schnell vereinnahmt und oft gegen soziale Interessen ausgespielt werden. Einer LINKEN sollte es aber möglich sein, Klimapolitik als Querschnittsthema zu etablieren und zugleich mit Kapitalismuskritik zu verbinden. Das trifft auch auf die parlamentarische Ebene zu, und da kommt dann ein möglichst gutes Zusammenspiel zwischen Abgeordneten und ihren wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zum Tragen.

Zuerst einmal hat ein Referent dafür zu sorgen, dass die Koordination der Arbeit gut klappt. Einer wie Bernd Brouns agiert sozusagen als Scharnier zwischen dem zuständigen Arbeitskreis der Fraktion, den zuständigen Abgeordnetenbüros und dem Ausschuss des Bundestages. Gegenwärtig zum Beispiel geht es hauptsächlich um die Novellierung des Gesetzes zu erneuerbaren Energien. Nichts Gutes steht da ins Haus, denn gekürzt werden soll die Förderung des Solarstroms. »Viele Produktionsstätten hier im Land werden sich dann nicht mehr auf dem Markt behaupten können. Für ein Bundesland wie Sachsen-Anhalt, aber auch andere, wäre das eine Katastrophe.«

Arbeit im Parlament droht immer auch, zu sehr in geschlossenen Räumen zu verharren. Es bedarf einer Menge Anstrengungen, die Verbindungen zwischen innen und außen aufrecht zu erhalten. »Mir ist wichtig«, sagt Bernd Brouns, »mich in außerparlamentarischen Gruppen und Bewegungen zu verankern. Das betrifft den nationalen, aber auch den internationalen Rahmen.« Und so ist es logisch, dass der Mann sich in der Bewegung »Gegenstrom Berlin« engagiert und im Vorstand einer Organisation arbeitet, die sich WEED nennt. Sie wurde 1990 in Deutschland als unabhängige Nichtregierungsorganisation gegründet. WEED steht für »World Economy, Ecology & Development«, denkt also die wirtschaftliche, die soziale und die ökologische Frage zusammen. Das passt, es macht den Blick weit, und über den Tellerrand geht er dann sowieso. »Mir ist wichtig, auch mal mit einem anderen Hut rumzulaufen als dem, Referent für Energie- und Umweltpolitik zu sein. Das gibt Input, also Anregungen, und fördert den Dialog.« Und dann sagt Bernd Brouns noch etwas sehr Schönes: »Wenn man hier unter wirklich guten Bedingungen arbeiten kann, regelmäßig für diese Arbeit Geld bekommt, ist es außerdem nur richtig, davon etwas zurückzugeben. Zum Beispiel, indem man sich auch außerparlamentarisch engagiert.«

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