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Ein besseres Bildungssystem ist möglich

erschienen in Clara, Ausgabe 28,

Von der Kita bis zur Hochschule – Deutschlands Bildungssystem steht in der Kritik. clara deckt Schwachpunkte auf und präsentiert Lösungen

Die Kita-Katastrophe

Ein Krippenplatz für unter Dreijährige ist mancherorts so selten wie ein Fünfer im Lotto. Eltern haben zwar ab dem 1. August für ihre ein- bis dreijährigen Kinder einen Rechtsanspruch darauf, doch es fehlen bis zu 220000 Plätze.

Lösung:
DIE LINKE fordert schnellstmöglich einen Krippengipfel, um verbindliche Qualitätsstandards wie Gruppengröße, Qualifikation der Erzieherinnen etc. zu definieren. Ihr Ziel: ein Rechtsanspruch auf eine ganztägige und gebührenfreie Betreuung für jedes Kind, unabhängig von der Erwerbstätigkeit der Eltern.

Soziale Herkunft prägt den Bildungsweg

In keinem Industrieland der Welt hängt die Bildung der Kinder so stark vom Bildungsstand und vom Geldbeutel der Eltern ab wie in Deutschland. Die Unterschiede beginnen nicht erst bei der Frage „Studium ja oder nein?“, sondern betreffen jede Stufe im Bildungssystem – von der Schule bis hin zur Hochschule. Befördert wird diese Situation durch die extrem frühe Gliederung im deutschen Schulsystem: Kinder werden frühzeitig unterschiedlichen, vermeintlich leistungsgerechten Bildungsgängen zugewiesen. Damit werden Bildungschancen verbaut. Im späteren Bildungsweg sorgen finanzielle Belastungen für weitere Hürden, diese fressen Berufs- und Studienwünsche vor allem von Schülern aus einkommensschwachen Familien auf. Insbesondere ein Studium kostet Familien viel Geld, und das BAföG entspricht nicht dem, was ein Student oder eine Studentin tatsächlich braucht. Aber auch Auszubildenden gelingt häufig nicht der Schritt in ein eigenständiges Leben, weil die Vergütung zu gering ist oder Gebühren zu hoch sind.

Lösung:
DIE LINKE will das Schulsystem reformieren. Wir wollen Gemeinschaftsschulen für alle mit kleineren Klassen, Ganztagsschulen mit mehr sozialpädagogischer Arbeit und die Rücknahme des Turboabiturs. So kann die soziale Auslese im Schulsystem beendet und die individuellen Fähigkeiten aller Kinder und Jugendlichen können gefördert werden. Für den Bereich der Hochschulen will DIE LINKE, dass die BAföG-Sätze dem tatsächlichen Bedarf angepasst und die Einkommensgrenzen in zügigen Schritten erhöht werden, sodass Studierende zukünftig elternunabhängig gefördert werden. Um das zu erreichen und die drängendsten Finanzierungslücken im gesamten Bildungssystem zu schließen, will DIE LINKE die öffentlichen Ausgaben für Bildung um jährlich 40 Milliarden Euro erhöhen.

Der Personalmangel

Egal ob in der Krippe, der Kita, der Schule oder an Berufs-und Hochschule – überall fehlt es an Personal. Die Arbeitsbedingungen wurden schlechter, die Bezahlung ist vielerorts miserabel. Viele Regionen haben Probleme, überhaupt noch genügend Erzieherinnen und Erzieher zu finden. Auch Schulen steuern auf einen heftigen Fachkräftemangel zu, denn seit Jahren haben die Bundesländer zu wenige Lehrerinnen und Lehrer ausgebildet und eingestellt. Durch die Steigerung der Studierendenzahlen in den letzten Jahren hat sich das Betreuungsverhältnis an den Hochschulen dramatisch verschlechtert. Ein Großteil der Lehrenden ist zudem in prekäre Arbeitsverhältnisse gedrängt worden. Das gilt auch für die Beschäftigten in der Weiterbildungsbranche.

Lösung:
Damit Erzieherinnen und Lehrkräfte gut arbeiten können, müssen die Rahmenbedingungen stimmen. Das bedeutet auch bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne. Nur so kann dem schon heute bestehenden Fachkräftemangel begegnet werden. Im Bereich der Schule müssen sich die Länder endlich bereit erklären, auch die Gehälter der angestellten Lehrerinnen und Lehrer tariflich zu regeln. Zudem muss ein Fachkräfteprogramm für mehr und gut ausgebildetes Personal für Schulen und Kitas aufgelegt werden. Für wissenschaftliche Mitarbeiterinnen an den Hochschulen müssen Dauerarbeitsverhältnisse in Vollzeit zur Normalität werden.

Berufsausbildung

Fast 30 Prozent der Schülerinnen und Schüler Deutschlands landen nach ihrem Schulabschluss erst einmal im Übergangssystem, weil sie keinen Ausbildungsplatz gefunden haben. Sie müssen sich mit Berufsvorbereitungs- und Grundbildungsjahren, Berufseinstiegsklassen, Einstiegsqualifizierungen der Arbeitsagenturen und vielen anderen Maßnahmen begnügen, an deren Ende kein anerkannter Berufsabschluss steht. Betroffen sind nicht nur Menschen mit geringeren Schulabschlüssen. Diese Ausgrenzung hat dazu geführt, dass heutzutage mehr als 2,2 Millionen Menschen im Alter von 20 bis 34 Jahren keinen Berufsabschluss haben.

Lösung:
Die Selbstverpflichtung der Betriebe, für zusätzliche Ausbildungsplätze zu sorgen, ist gescheitert. Deshalb tritt DIE LINKE dafür ein, allen Jugendlichen das Recht auf Ausbildung zu garantieren. Durch diesen Rechtsanspruch soll allen Jugendlichen eine hochwertige und vollqualifizierende Berufsausbildung zur Verfügung gestellt werden. DIE LINKE fordert zudem eine solidarische Ausbildungsumlage, an der sich alle Unternehmen einer Branche beteiligen, um ein auswahlfähiges Angebot an Ausbildungsplätzen zu schaffen. Hierbei sollen alle Betriebe in einen Ausbildungsfonds einzahlen, aus dem dann neue Ausbildungsplätze finanziert und bestehende gesichert werden.

Studium

Durch die Reformen der letzten Jahre ist in Deutschland ein Zwei-Klassen-System der Hochschulen und der akademischen Abschlüsse entstanden. Die Grundfinanzierung der Hochschulen wird nur noch von Bundesländern gestemmt und verschlechtert sich laufend. Einzelne Hochschulen wurden zu Elite-Einrichtungen ernannt. Bei diesen konzentrieren sich die Gelder, während sich die Studien- und Forschungsbedingungen für alle anderen laufend verschlechtern. Zudem hat das zweistufige Bachelor- und Master-System die Bedingungen für die Studenten extrem verschlechtert. Viele müssen die Uni schon nach dem Bachelor-Abschluss verlassen, weil sie keinen Master-Platz bekommen.

Lösung:
Die Unterfinanzierung der deutschen Hochschulen muss beendet werden. DIE LINKE lehnt auch einen Wettbewerbsföderalismus zulasten finanzschwacher Länder ab. Es ist Aufgabe der Bundespolitik, die finanziellen Voraussetzungen für gleichwertige Studienbedingungen in allen Bundesländern sicherzustellen. Zudem darf niemandem nach Erlangen des Bachelors der Zugang zum Master versperrt werden. Das Recht auf ein Studium muss auch einen wirksamen Rechtsanspruch auf einen Masterstudienplatz umfassen.

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