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Editorial

erschienen in Querblick, Ausgabe 12,

Wer sucht noch einen Beweis für die patriarchalen Strukturen dieser Gesellschaft? Die Analyse der Ursachen und Reaktionsmuster ihrer aktuellen Krise sind sehr erhellend. Es ist so entlarvend offen, was sich da politisch abspielt, sodass es das reine feministische politische Bildungsprogramm sein könnte: Das Patriarchat kämpft um seine Ressourcen – weniger um die Überwindung der Krise im Interesse der gesamten Gesellschaft.

Anders ist es nicht zu erklären, warum zum Beispiel das Auto als zentrale Ikone vieler Machos das Regierungshandeln in einer geradezu absurden Weise beherrscht – weltweit übrigens. Die Abwrackprämie wird zwar mitgenommen, löst aber Kopfschütteln aus ob der Diskrepanz zwischen zusätzlichen »Prämien« von 100 Euro für ein Kind und von 2500 Euro für ein altes Auto. Es geht um viele Arbeitsplätze und Familienexistenzen. Dies ernst zu nehmen,  ist Aufgabe von Politik. Aber das trifft auf andere Branchen ebenso zu, die keine Chance haben, zur Chef/innen-Sache zu werden. Während die Kanzlerin aber zu Opel fährt, spricht sie eine ganze Woche mit den direkt vor ihrem Kanzlerinnenamt protestierenden Milchbäuerinnen noch lange nicht.

Dabei wäre der Zusammenbruch der einheimischen Milcherzeugung vielleicht sogar schwerwiegender für die Gesellschaft als der von Opel. Die aktuelle Gesellschaftskrise fordert aus unserer Sicht einen Bruch mit dem Patriarchat als Teil der Ursache geradezu heraus, statt es zu konservieren. Der Kampf gegen die Krise wird geschlechtergerecht gewonnen, oder er wird verloren.
Kirsten Tackmann, MdB, Frauenpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE