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Editorial

Von Katja Kipping, erschienen in Clara, Ausgabe 36,

Auf ein Wort mit der Herausgeberin: Katja Kipping.

Liebe Leserinnen, liebe Leser,


Ende April haben Fraktion und Partei DIE LINKE sowie die Rosa-Luxemburg-Stiftung zum Kongress „Linke Woche der Zukunft“ eingeladen – und mehr als 1000 Menschen kamen, um miteinander zu diskutieren. Mit einer Fotoreportage präsentiert diese Ausgabe von clara einige Impressionen der viertägigen Zusammenkunft.


Nur wenige Tage später, am 1. Mai, sind wir einen weiteren Schritt in Richtung einer sozialen, demokratischen Gesellschaft gegangen: DIE LINKE hat die Kampagne „Das muss drin sein.“ gestartet. Denn auch wenn Kanzlerin Angela Merkel den Eindruck erweckt, alles sei gut in Deutschland – es stimmt nicht. Viele Menschen stehen in ihrem Alltag und auf der Arbeit unter permanentem Druck oder wissen nicht, wie sie bis zum Monatsende über die Runden kommen sollen. Diesen Missständen widmet sich der Schwerpunkt dieser Ausgabe. clara zeigt, wie die unsoziale Politik der letzten Jahre dafür gesorgt hat, dass heute elf Millionen Menschen in Deutschland in unsicheren und schlecht bezahlten Jobs arbeiten müssen.


Nicht nur Politik und Wirtschaft haben die Arbeitswelt verändert, auch die Digitalisierung hat dazu beigetragen. Mittlerweile ist gar die Rede von einer neuen industriellen Revolution. Darüber hat clara mit dem Wirtschaftsjournalisten Jonas Rest gesprochen, der von Taxiunternehmen ohne Taxis und „digitalen Minutenlöhnern“ berichtet. Wie sich die veränderte Arbeitswelt auf das Klassenbewusstsein der Menschen auswirkt, darüber denkt der Sozialwissenschaftler Horst Kahrs nach.


Porträtiert wird in dieser Ausgabe der Dokumentarfilmer Matthias Coers, dessen Werk „Mietrebellen“ international erfolgreich ist und vielerorts zu Debatten und politischem Engagement geführt hat. Vorgestellt wird zudem eine Studie, die sich erstmalig ausführlich mit dem Phänomen der Zwangsumzüge am Beispiel Berlin beschäftigt.


Auch dem 70. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus widmet sich dieses Heft: clara berichtet von einer Gedenkveranstaltung der Fraktion DIE LINKE mit internationalen Gästen, und der Politologe Georg Fülberth beleuchtet die politische Dimension der aktuellen Erinnerungskultur.


Zudem gibt es eine Reportage über das Fußballteam Welcome United 03 aus Babelsberg, in dem ausschließlich Flüchtlinge kicken. Und in der Gastkolumne entwirft die Publizistin Anke Domscheit-Berg die Vision einer sozial gerechten Warenproduktion dank des Potentials von 3-D-Druckern.


Demokratie braucht soziale Grundlagen. Wenn wir nicht von links Druck für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen machen, werden Rechtspopulisten wie bei Pegida und AfD stark. Die haben aber keine Lösungen für die drängenden sozialen Probleme. Sie treten nach unten und wenden sich gegen Minderheiten, weil sie sich mit den Reichen und Mächtigen nicht anlegen wollen. DIE LINKE will hingegen gemeinsam mit vielen Menschen Druck machen für das, was in einem reichen Land selbstverständlich sein sollte – getreu dem Motto der Kampagne: „Das muss drin sein.“


Ich wünsche Ihnen eine erkenntnisreiche und kurzweilige Lektüre,

 

Katja Kipping ist Vorsitzende der Partei DIE LINKE und sozialpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE

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