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Die neuen Reich-Macher

erschienen in Clara, Ausgabe 43,

Im schönen „rheinischen Kapitalismus“ teilten sich Deutsche Bank, Commerzbank, Dresdner Bank, West LB und die Allianz-Versicherung die dicken Aktienpakete an den großen Konzernen; und Deutsche Bank und Allianz waren untereinander verflochten. Das galt etwa bis zur Jahrtausendwende. Doch die traditionellen Banken haben nach der Finanzkrise ihre Macht weitgehend eingebüßt. Sie wurden abgelöst durch BlackRock und Co. – nicht nur in Deutschland, sondern auch anderswo in der Europäischen Union (EU) und in den USA.

BlackRock – auf Deutsch: schwarzer Fels – mit Sitz in New York ist gegenwärtig der größte Organisator kapitalistischen Großeigentums. Das verwaltete Kapital von 5 Billionen US-Dollar ist 15-mal größer als der Haushalt des deutschen Staats. Die Top Ten nach BlackRock heißen Vanguard, State Street, Fidelity, Capital Group, JP Morgan Chase, T. Rowe Price, Bank of New York Mellon, Wellington, Amundi und Goldman Sachs. Das Kapital holen sich die neuen Herren von Milliardärs-Clans aller Kontinente, von Unternehmensstiftungen, auch von Versicherungen, Konzernen und Banken, die lieber spekulieren lassen, statt zu investieren. Ab 50 Millionen ist man dabei, 500 Millionen sind besser. Die Vermögensverwalter sind vielfach über Eigentumsanteile miteinander verflochten. Von der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble (beide CDU) werden sie komplizenhaft hinter dem Begriff „die Finanzmärkte“ versteckt.

Fusion von Bayer und Monsanto

BlackRock und Co. können profitabler arbeiten, weil sie nicht als Banken gelten und nicht reguliert werden. Sie kaufen Eigentumsanteile an den wichtigsten Unternehmen. Zum Beispiel: In Deutschland wurde BlackRock Großaktionär in allen 30 DAX-Konzernen, von Adidas und BASF über Commerzbank und Deutsche Bank bis Siemens und thyssenkrupp. In einem Drittel der DAX-Konzerne ist BlackRock Hauptaktionär.

So wurde BlackRock Miteigentümer nicht nur der wichtigsten Unternehmen in Deutschland, sondern in 282 der 300 weltgrößten Unternehmen, vor allem in den USA und in der EU, so bei Apple, Microsoft, Facebook, Coca-Cola. Überall drängen BlackRock und Co. auf Gewinnsteigerung und Kostensenkung. Ein beliebtes Mittel dafür sind Unternehmensfusionen. Gegenwärtig organisieren BlackRock und Co. die Übernahme des US-Agrarchemiekonzerns Monsanto durch den Chemiekonzern Bayer. Das ist einfach: BlackRock, State Street und Sun Life sind Hauptaktionäre nicht nur bei Bayer, sondern gleichzeitig auch bei Monsanto. Zum Gewinn trägt auch bei, dass die Aktienpakete dieser Investoren über Dutzende Finanzoasen zwischen den Cayman Islands und Luxemburg verteilt sind. BlackRock operiert von New York aus, hat aber den rechtlichen Sitz in der weltweit größten Finanzoase für Unternehmen, im US-Bundesstaat Delaware.

BlackRock und Co. sind Miteigentümer der regulierten Wertpapier-Börsen wie der Deutschen Börse AG. Gleichzeitig aber organisieren sie in Dark Pools außerbörsliche Handelsplätze. In diesen schwarzen Löchern des Weltfinanzsystems vermitteln sie den direkten, staatlich unregulierten Kontakt zwischen Unternehmen, Banken und Investoren. Alle Teilnehmer dieser dunklen Parallelwelt bleiben nach außen anonym. Die jeweilige staatliche Finanzaufsicht, wie in Deutschland die BaFin, wird ausgehebelt.

Weltweiter politischer Einfluss

Nach der Finanzkrise beauftragte die Regierung von Präsident Barack Obama BlackRock mit der Rettung der bankrotten Banken und Versicherungen in den USA. Damit wurde der Chef dieses Vermögensverwalters, Laurence Fink, zum mächtigsten Mann der Wall Street. Nicht nur die Kapitalmasse von BlackRock explodierte in den Jahren 2007 bis 2009 von 1,3 auf 3,3 Billionen US-Dollar, auch der politische Einfluss stieg weltweit.

So bekam BlackRock von der EU den Auftrag, die Europäische Zentralbank zu beraten und die Risikoanalysen für die Bankenrettung in Irland, Griechenland, Großbritannien und Zypern zu erstellen. Bei diesen Einsätzen ging es für den Insider BlackRock direkt und indirekt auch um eigene Interessen, also um deutsche, französische und andere europäische Banken, an denen dieser und andere Vermögensverwalter Miteigentümer sind: Sie hatten den bankrotten Banken Kredite gegeben.