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Die Maschmeyer-Connection

erschienen in Clara, Ausgabe 20,

Jahrelang haben Drückerkolonnen des Finanzkonzerns AWD teils hochriskante Finanzprodukte unters Volk gebracht. Heute klagen mehrere zehntausend Kunden über hohe Verluste. Der Gründer?des Finanzkonzerns, Carsten Maschmeyer, verfügte über exzellente Beziehungen zu Politik und Wissenschaft? Ein Organigramm

Ab dem Jahr 2000 macht die Bundesregierung von Gerhard Schröder (SPD) den Ökonomen Bert Rürup, der zuvor bereits Arbeitsminister Walter Riester (SPD) beraten hat, zu einem der einflussreichsten Wissenschaftler der Republik: Schon bald leitet er eine Kommission, die Eckpunkte erarbeitet, um die gesetzliche Rentenversicherung zu schwächen. Zugleich wirbt er für den Ausbau der privaten Altersvorsorge.

Die sozialdemokratisch-grüne Bundesregierung folgt ihrem Berater. Zunächst kürzt sie per Gesetz die gesetzliche Rente, dann beschließt sie hohe Zuschüsse für die private Altersvorsorge. Wer fortan eine nach dem jeweiligen Erfinder benannte Riester- oder Rürup-Rente abschließt, erhält Fördergeld und steuerliche Erleichterungen.

Carsten Maschmeyer, dem Gründer des Finanzdienstleisters AWD, entgeht nicht, dass sich diese Gesetze positiv auf sein Geschäft auswirken. Im Jahr 2005 prognostiziert er auf einer Aktionärshauptversammlung des Unternehmens einen gewaltigen Boom: »Die Verlagerung von der staatlichen zur privaten Altersvorsorge ist ein Wachstumsmarkt über Jahrzehnte.« Es sei, als säße man auf einer Ölquelle: »Sie ist angebohrt, sie ist riesig groß und sie wird sprudeln.«

Tatsächlich: Weil die gesetzliche Rentenversicherung entwertet wurde und die Menschen um ihre Rente fürchten, greifen sie zu Produkten der privaten Altersvorsorge. Das Geschäft boomt. Innerhalb von wenigen Jahren avanciert AWD zu einem Branchenriesen. Eine gewaltige Drückerkolonne von mehreren tausend Handelsvertretern bringt massenhaft Riester- und Rürup-Versicherungen unters Volk, verkauft riskante Anlageoptionen und preist abenteuerliche Investmentfonds.

Mehr als 34000 Kundinnen und Kunden des AWD-Konzerns, berichtet die Verbraucherschutzorganisation Stiftung Warentest, haben in der Folge mit geschlossenen Immobilienfonds Verluste gemacht und wissen zum Teil nicht, wovon sie ihren Lebensabend bestreiten sollen.

Diese Sorgen muss sich Maschmeyer nicht machen: Sein Vermögen wurde im vergangenen Jahr auf 650 Millionen Euro geschätzt. Zudem betreibt er mit Bert Rürup die MaschmeyerRürup AG. Das Unternehmen berät Banken, Versicherungen und Regierungen in Fragen der Altersvorsorge. Jüngst erst nahm Familienministerin Kristina Schröder (CDU) die Dienste der beiden Herren in Anspruch, um das Reformkonzept für die private Pflegeversicherung zu erarbeiten.

Ruben Lehnert

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