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Die Kunst, von der Kunst zu leben

Von Simone Barrientos, erschienen in Klar, Ausgabe 45,

Existenzangst und Armut gehören für viele Kulturschaffende zum Alltag. Phasen ohne Einnahmen, zum Beispiel durch Krankheit oder Auftragsflauten, machen aus Kreativen Überlebenskünstler. Bevor überhaupt Honorare und Gelder fließen, müssen sie häufig erst Konzepte und Projektanträge schreiben. Dafür geht viel Zeit, in der Regel unbezahlt, und Kraft drauf. Von ihnen wird eine hohe Flexibilität erwartet, dazu gehören Umzüge, lange Arbeitszeiten, Arbeiten am Wochenende und kurzfristige Einsätze. Mit Familie lässt sich diese Arbeitsrealität nur schwer vereinbaren. Brüche in der Erwerbsbiografie, zum Beispiel durch Kindererziehung oder Pflege von Angehörigen, haben fatale Folgen. Mehr als ein Drittel aller in der Kultur- und Kreativwirtschaft Beschäftigten ist geringfügig erwerbstätig.

Linke Kulturpolitik bedeutet, Kulturschaffenden die Angst vor Armut praktisch zu nehmen. Deshalb streiten wir für eine umfassende Verbesserung der sozialen Absicherung, für eine Stärkung der Künstlersozialkasse und für branchenspezifische Mindest- und Ausstellungshonorare. Berichte wie der von Bettina Kenter-Götte zeigen eindringlich, auch Selbstständige müssen ein Anrecht auf Ausgleichszahlungen im Krankheitsfall, Kinderkrankengeld und Mutterschutz haben. DIE LINKE will eine solidarische Gesundheits- und Pflegeversicherung für alle – auch für Selbstständige. Beschäftigte mit überwiegend kurzen Arbeitsverhältnissen, wie bei Kulturschaffenden oft üblich, sollen bereits nach kürzeren Fristen einen ALG-I-Anspruch erwerben können.

 

Simone Barrientos ist kulturpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE

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