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Die Kinder im Blick

erschienen in Klar, Ausgabe 44,

Auf Ihre Initiative hin haben alle Fraktionen im Stadtrat dafür gestimmt, dass Iserlohn ein Jahr lang für jedes Kind, das eingeschult wird, die Mitgliedschaft in einem Sportverein bezahlt. Wie ist es zu diesem einhelligen Ergebnis gekommen?

Alle Fraktionen haben verstanden, dass dies ein sehr sinnvolles Mittel sein kann, den Sportvereinen Nachwuchs zuzuführen und die Kinder weg vom Computer und in Bewegung zu bringen. Hintergrund war ein ähnliches Vorgehen in Duisburg und ein Bericht über die wachsende Fettleibigkeit bei Schulkindern.

 

Was kostet das die Stadt Iserlohn?

Maximal 45.000 Euro. In Iserlohn werden nach den Sommerferien rund 750 Kinder in die Grundschule kommen. Wir hoffen, dass zu Projektbeginn rund 25 Prozent von dem Angebot Gebrauch machen. Das wäre eine schöne Sache und würde mich sehr freuen.

 

Übertragen auf Berlin würden sich die Kosten bei zuletzt 32 000 Erstklässlern also auf knapp 2 Millionen Euro belaufen. Das gibt die S-Bahn für Leerfahrten zum nicht eröffneten Flughafen BER pro Monat aus.

Da wäre das Geld bei den Kindern und Vereinen sicherlich besser angelegt. Die Integration von Kindern in den Vereinen bedeutet besseres Sozialverhalten, gemeinsame Werte und körperliches Engagement. Vereine leisten Sozialarbeit und Gesundheitsvorsorge. Deshalb ist jeder hier investierte Cent sinnvoll angelegt.

 

Die 90.000 Sportvereine in Deutschland leisten – überwiegend ehrenamtlich – Großartiges. Sie selbst kommen viel herum auf den Sportplätzen des Landes. Wo drückt bei den Vereinen am meisten der Schuh? Was muss die neue Bundesregierung in Angriff nehmen?

Seit vielen Jahren arbeite auch ich neben meiner beruflichen Tätigkeit in meinem Heimatfußballverein mit. In den Kommunen fehlt es oft an den notwendigen Mitteln, die Sportstätten in Betrieb zu halten. Hier ist die Instandhaltung dringend notwendig. Damit meine ich auch den Erhalt von Bolzplätzen und Freizeitsportanlagen. Zuschüsse für Übungsleiter und Ehrenämter sollten steuerlich weiter entlastet und damit diese so wertvollen Tätigkeiten zusätzlich gefördert werden. Damit könnte man schon einiges in den Vereinen erreichen und die Amateure unterstützen.

 

Wie kommt man als Linker mit dem Profifußball in der Bundesliga zurecht, bei dem es ja zum Teil um astronomisch hohe Ablösesummen und Gagen geht?

Ich liebe Sport – und Fußball im Speziellen. So wie viele Millionen Menschen in Deutschland und weltweit. Natürlich ist es teilweise unanständig, was da für Ablösen im Raum stehen, und ja, einige Spieler erhalten unfassbar viel Geld. Aber es gibt auch eine Armee von Spielern, die keineswegs solche Summen verdienen und irgendwann mit kaputten Knochen dastehen. Wichtig finde ich, dass die Topverdiener und die Clubs gerechte Steuern zahlen und die großen Clubs nicht den DFB beherrschen. Fußball gehört Millionen, nicht den Millionären.

 

Apropos Schalke und Union: Wie sind Sie eigentlich zum Profifußball gekommen und dort »Kaderfinder« geworden? Das ist ja ein nicht ganz alltäglicher Job?

Ja, das ist wahr. Ich habe das große Glück gehabt, mein Hobby zum Beruf machen zu können. Schon während meiner Studienzeit habe ich immer im höchsten Jugend- und Amateurbereich Teams trainiert, und das lief sehr erfolgreich. Anscheinend ist man so auf mich aufmerksam geworden, und ich bekam 2007 das Angebot aus Gelsenkirchen. Dort habe ich dann als Nachwuchssichter begonnen. Im Jahr 2012 bin ich zum Leiter, später zum Nachwuchsdirektor aufgestiegen.

 

Und wie ist Ihre Arbeit jetzt beim FC Union in Berlin, die Sie sogar einem Ruf nach China vorgezogen haben?

Bei Union bin ich nun wieder zuständig im Bereich des Profikaders und versuche, gemeinsam mit den anderen Verantwortlichen eine gute Mannschaft für die nächste Saison zusammenzustellen, indem man Spieler findet, die zum Club passen und die auch Lust haben, sich für Union reinzuhauen. Angebote gab und gibt es zum Glück, und ich gebe gerne zu, dass mich auch mal ein anderes Land und eine andere Kultur reizen würden. Aber die Entscheidung pro Union habe ich keine Minute bereut!