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Der Spielmacher

erschienen in Clara, Ausgabe 23,

Dominic Heilig arbeitet als Arbeitskreiskoordinator für die
 Fraktion DIE LINKE. Er managt 17 Referenten und liefert mit ihnen
 zusammen den Stoff, aus dem parlamentarische Initiativen entstehen.

»Das klingt ja jetzt alles nach furchtbar viel gebrochenen Einzelbiografien«, stellt Dominic Heilig am Ende unseres Gespräches fest. Eine davon ist die eines ganz passablen Fußballspielers. Als der kleinste Libero der Jugendliga musste er sich damals gegen die größeren Spieler auf seine Art und Weise durchsetzen. Als Libero organisierte Heilig die Abwehr, damit die Angreifer stürmen konnten. Das liegt mittlerweile 15 Jahre zurück.

Heute hält Heilig als Koordinator bei der Fraktion DIE LINKE den Abgeordneten des Arbeitskreises »Demokratie, Kultur, Wissen und Bildung« den Rücken frei. Er koordiniert 17 Referenten und organisiert die Arbeit im Hintergrund. Nach einer Zusammenlegung arbeiten in dem Arbeitskreis Abgeordnete aus dem Bereich der Bürgerrechtspolitik mit Bildungs- und Kulturpolitikern zusammen. Dass das funktioniert, dass da Politik für den Datenschutz oder einen freien Wissenstransfer gemacht wird, liegt auch an Heilig.
 

Nachdem sich Heilig für das Abitur und gegen den Fußball entschieden hatte, leistete er seinen Zivildienst bei den Maltesern ab. Von Einkäufen für Hilfebedürftige über die Arbeit in der Obdachlosenküche durchlief er viele Stationen karitativer Arbeit. Heilig fuhr auch geistig behinderte Kinder zu Förderschulen – jeden Morgen. Irgendwann stellte er fest: Die Hälfte der Kinder in seinem VW-Bus hatte keine Behinderung. Es stellte sich heraus: Die Kinder kamen fast ausschließlich aus Migrantenfamilien, die ihren Kindern einfach nicht zutrauten, den Abschluss auf einer normalen Schule zu schaffen. Die Kinder waren vorsorglich an der Förderschule angemeldet worden. »Um die hat sich niemand gekümmert.« Heilig suchte das Gespräch. Einige der Kinder gingen danach tatsächlich auf Regelschulen. 

Dass in diesem Land etwas falsch laufe, sei ihm spätestens da klar geworden. Das war eine Erfahrung, die Heilig letztlich zur Arbeit in das Sekretariat des Bundestagsausschusses für Familie, Frauen, Senioren, Jugend und Sport führte. Dort lernte er 1999 die PDS kennen. Er wechselte dann zur Abgeordneten Petra Pau – als studentische Hilfskraft.

Als einen der größten Erfolge bezeichnet er heute die Rehabilitierung von sogenannten Kriegsverrätern, also Deserteuren der deutschen Wehrmacht, für die sich Heilig vor allem gemeinsam mit dem Abgeordneten Jan Korte einsetzte. Es waren damals auch die Kirchen, die die Gesetzesinitiative der LINKEN als Erste unterstützten. Der Evangelische Kirchentag, die Jüdische Gemeinde zu Berlin und die katholische Kirche richteten Schreiben an die Große Koalition mit der Bitte, ihre Blockadehaltung aufzugeben und einer Rehabilitierung zuzustimmen.

Dass die Gesellschaft der LINKEN in dieser Sache so klar die Hand reichte, beeindruckt ihn noch heute. Offenheit für das andere Argument, für einen anderen Zugang zu einem gemeinsamen Ziel – das Motiv taucht im Gespräch immer wieder auf, wie auch in seinem Selbstverständnis als Arbeitskreiskoordinator. Als dieser ist er die Schnittstelle zwischen den Abgeordneten und den Fachreferenten im Arbeitskreis. Er verfolgt, was in den einzelnen Ausschüssen passiert, unterbreitet Vorschläge für mögliche parlamentarische Initiativen.

Momentan aber liegt der Fokus beim sogenannten Sonneborn-Paragrafen des Wahlgesetzes. Bislang legen die Parteienvertreter und der Bundeswahlleiter vor jeder Bundestagswahl fest, welche Partei zur Wahl antreten darf. Ein Klagerecht gegen eine Nichtzulassung gibt es nicht. Dass die im Bundestag vertretenen Parteien über ihre Konkurrenten abstimmen, schmeckt Heilig nicht. Deshalb soll, so der Vorschlag der Fraktion DIE LINKE, eine Klagemöglichkeit für nicht zur Wahl zugelassene Parteien geschaffen werden. Das Selbstbewusstsein, offen mit anderen Positionen umzugehen, gilt für Heilig auch hier.

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