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Der Billionen-Flop

erschienen in Klar, Ausgabe 23,

Die Euro-Rettung mutiert zu einem Thriller in der Dauerschleife. Aus Milliarden sind jetzt sogar Billionen geworden. Klar zeigt Ihnen die neuesten Kapitel des Euro-Thrillers.

Die angebliche Rettung im Sommer

Um die Schuldenkrise in den Griff zu bekommen, beschließen die EU-Regierungschefs im Juli die Aufstockung des europäischen Rettungsfonds (EFSF) auf 440 Milliarden Euro. Dieser soll für krisengeschüttelte Staaten Hilfspakete bereitstellen.

 

Die EZB als Ausputzer

Finanzmärkte machen keinen Urlaub. Weil der aufgestockte Rettungsschirm aufgrund der notwendigen parlamentarischen Prozesse noch nicht einsatzbereit ist, muss die Europäische Zentralbank einspringen. Sie kauft massenhaft Staatsanleihen von Pleitestaaten, um diese vor den Attacken der Finanzmärkte zu schützen. Für mehrere Milliarden pro Woche.

 

Die totgesparten Griechen

Im Sommer die nächsten Katastrophenmeldungen aus Griechenland: Die angebliche »Griechenlandrettung« mutiert zum finalen Todesstoß. Nach anderthalb Jahren Spardiktat liegt die griechische Wirtschaft völlig am Boden. Von der erhofften Entschuldung keine Spur. Trotz brachialer Sozialkürzungen steigen die Schulden stetig weiter an.

 

Abstimmung wider besseres Wissen

Um die im Juli beschlossene Aufstockung des Rettungsschirms zu verwirklichen, muss im September der Deutsche Bundestag zustimmen. Doch zu diesem Zeitpunkt ist bereits klar: Das Volumen des Rettungsschirms von 440 Milliarden Euro reicht inzwischen nicht mehr aus. Vor allem, weil mit Italien die drittgrößte Volkswirtschaft in der Eurozone ins Wanken kommt. Trotz dieser Warnungen stimmen CDU, FDP, SPD und GRÜNE zu, feiern sich als Euroretter.

 

Mit Zockerinstrumenten aus der Krise

Wenige Tage später fliegen den EU-Regierungschefs die Zahlen um die Ohren. Griechenland und Italien drohen völlig zu kollabieren. Der Rettungsschirm reicht vorne und hinten nicht, muss erneut erweitert werden: und das ausgerechnet mit Zockermethoden, wie sie von der Finanzmafia benutzt werden – sogenannten Hebeln. Mithilfe von Investoren und Zweckgesellschaften soll ein Volumen von einer Billion Euro entstehen. Alle Parteien außer DIE LINKE stimmen den Plänen zu. Klar ist nur: Das Risiko für den Steuerzahler steigt.

 

Investoren lehnen dankend ab

Selbst dieser Billionen-Beschluss im Bundestag hat nur wenige Tage Bestand. Obwohl Merkel und Sarkozy unter den Regierungschefs der G20 auf Betteltour für Investoren gehen, bekommen sie keine Zusagen. Das ist verständlich, weil völlig unklar ist, welche Risiken in den Zweckgesellschaften versteckt werden sollen. Jetzt blasen Zocker zum Generalangriff auf Italien. Weil die EU-Chefs nichts gehebelt bekommen, ist Italien zum Abschuss freigegeben.

 

Italien und der Euro am Abgrund

Nur ein paar Wochen später ist Italien fast am Ende. Die Schulden liegen bei 1,9 Billionen Euro. Das Land bekommt Geld nur noch zu Horrorzinsen und klar wird: Der Schuldenberg lässt sich so nicht mehr lange bezahlen. Nicht einmal, wenn es den 1-Billion-Hebel geben würde. Jetzt überschlagen sich die Meldungen: Die Eurozone stecke in der »Todesspirale«, die Rettungsversuche von Merkel & Co hätten die Lage nur schlimmer gemacht.

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