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Dauerstellen statt Stipendienwellen

erschienen in Querblick, Ausgabe 7,

Warum Frauen seltener beruflich in der Wissenschaft ankommen
Aktuell wirbt die bundesdeutsche und europäische Politik lautstark für mehr Ausgaben in der Forschung. Wissenschaft soll die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft sichern. – Richtig, sagt DIE LINKE. Aber nicht genug, dass aktuelle Wissenschaftsförderung zu einseitig auf Hightech ausgerichtet ist. Nein, sie verliert nur allzu oft Forschende und Lehrende selbst aus den Augen. Und so bildet deren Spektrum nicht annähernd jene Gesellschaft ab, für die sie kreativ arbeiten.

Ein Frauenanteil von 14 Prozent an allen Professuren und 15 Prozent bei Leitungsstellen an Wissenschaftseinrichtungen ist unteres Niveau in Europa. Dagegen stehen genug am Start. Unter Studienanfängern finden sich seit Jahren zur Hälfte Frauen. Doch schon am Sprung in die Promotions- und erst recht in die Habilitationsphase scheitern die meisten Absolventinnen.

Zwanzig Jahre Gleichstellungspolitik in der Wissenschaft haben Grenzen aufgezeigt. Etwas mehr Transparenz in der Berufungspraxis hat die »leaky pipeline« akademischer Laufbahnen für Frauen nicht abdichten können. Die Rufe entsprechen fast den Bewerbungen, weil deren Zahlen ohnehin schon bescheiden ausfallen.

Eine von Konservativen bevorzugte Individualförderung über Stipendienprogramme integriert Frauen nur schlecht in Wissenschaftseinrichtungen. Die Befristung schreckt durch unsichere Perspektiven eher ab. Reguläre Qualifikationsstellen bieten bessere Chancen und motivieren Frauen zu Forschung und Lehre als Beruf. Aber Dauerstellen und Professuren fehlen.

Expertinnen und Experten haben in der jüngsten Anhörung des Forschungsausschusses im Bundestag darin das Hauptproblem gesehen. Dass es anders geht, ist bewiesen. So besetzt Schweden 40 Prozent festangestellter forschungsstarker Senior Lecturer mit Frauen.

Umdenken ist gefragt! Wissenschaft als Beruf und Berufung darf nicht zur privaten Selbstaufgabe führen. Eine absolute Verfügbarkeitserwartung behindert die Vereinbarkeit von Familie, Partnerschaft und Beruf. Daher fordert DIE LINKE im Interesse von Beschäftigten eine wissenschaftsspezifische Ausgestaltung von Tarifregelungen. Arbeitszeitregelungen und Personalkonzepte müssen dauerhafte Beschäftigung präferieren, auch auf Drittmittelstellen, und es sind reguläre Möglichkeiten für Weiterbildung zu vereinbaren. Eine grundlegende Reform der Nachwuchsförderung ist geboten – weg vom Lehrstuhlprinzip mit personellen Abhängigkeiten hin zu einer Verantwortung durch Fachbereiche.

Petra Sitte, MdB, Stellvertretende Vorsitzende  und Forschungs- und technologie-politische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE und Johanna Maiwald

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