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Das Märchen vom Asylmissbrauch

erschienen in Klar, Ausgabe 35,

Behauptung: Es gibt so viele Asylbewerber wie noch nie! Die Zahl der Flüchtlinge und die damit verbundene Zahl von Asylanträgen steigen seit einigen Jahren. Im Jahr 2014 wurden 202.834 Asylanträge gezählt und damit 59,7 Prozent mehr als im Jahr 2013. Was jedoch oft verschwiegen wird: Im Jahr 1992 gab es mehr als doppelt so viele Anträge.    Behauptung: Deutschland nimmt die meisten Flüchtlinge auf! In absoluten Zahlen nimmt Deutschland innerhalb der Europäischen Union (EU) tatsächlich die meisten Flüchtlinge auf. In Relation zur Bevölkerungszahl nehmen andere Länder der EU aber viel mehr Asylbewerber auf als Deutschland. Bei Ländern außerhalb Europas ist der Unterschied noch krasser.    Behauptung: Die Flüchtlinge kosten den Staat zu viel! Im Jahr 2013 betrugen die Ausgaben nach dem Asylbewerberleistungsgesetz für Asylsuchende, Geduldete und Menschen mit humanitären Aufenthaltstiteln 1,5 Milliarden Euro – das sind 18,50 Euro im Jahr für die Aufnahme von Flüchtlingen für jede Bewohnerin und jeden Bewohner der reichen Bundesrepublik.   Behauptung: Asylbewerber leben in Deutschland in Saus und Braus! Asylsuchende sind oft gezwungen, jahrelang in Massenunterkünften zu leben. Sie unterliegen anfangs dem Arbeitsverbot und Beschränkungen bei der Jobsuche; deshalb sind sie meist auf öffentliche Unterstützung angewiesen. Derzeit erhalten bedürftige Asylsuchende monatlich 359 Euro für den gesamten Lebensunterhalt – zehn Prozent weniger als der Hartz-IV-Regelsatz.   Behauptung: Die meisten Flüchtlinge sind keine Kriegsflüchtlinge! Laut Statistik des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge stammte im Jahr 2014 die größte Gruppe der Asylbewerber aus Syrien, gefolgt von Serbien, Eritrea und Afghanistan – fast alles Länder, in denen aktuell Kriege toben oder erst vor wenigen Jahren beendet wurden.    Behauptung: Deutschland droht die Islamisierung! In Deutschland leben circa 3,8 bis 4,3 Millionen Muslime. Das sind etwa fünf Prozent der Bevölkerung. Umfragen zeigen, dass ihre Zahl oft überschätzt wird. Und: Die Furcht vor dem Islam ist immer dort am höchsten, wo die wenigsten Musliminnen und Muslime leben.