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„Das Känguru würde die Finanzwirtschaft abschaffen“

erschienen in Klar, Ausgabe 22,

Seine Geschichten über das Zusammenleben mit einem kommunistischen Känguru sind ein riesiger Publikumserfolg. Mehr als 100.000 Menschen kauften das erste Buch von Marc-Uwe Kling. Mit Klar sprach der Kabarettist über die Fortsetzung – »Das Känguru-Manifest«.

Herr Kling, warum verkaufen sich Geschichten über ein kommunistisches Känguru so gut? Mit solchen Inhalten punktet man derzeit doch nur schwer …
Marc-Uwe Kling: Es ist wirklich sehr lustig, dass sich ein kapitalismuskritisches Buch so gut verkauft. Ich glaube aber, die Geschichten sind gerade wegen dieser Inhalte so erfolgreich. Nur weil diese Gedanken im Mainstream keine Rolle spielen, heißt das nicht, dass alle Menschen so denken.


Was für ein Kommunist ist denn das Känguru?
Das müssen Sie das Känguru fragen.


Das ist leider nicht zum Interview-Termin erschienen. Sie aber leben mit ihm zusammen, da diskutiert man doch?
Das Känguru ist ein sehr pragmatischer Kommunist. Es hat in Diskussionen hohe Ideale und ausschweifende Theorien, setzt am Ende des Tages aber auch gerne seine Geschäftsideen um.


Wäre das Känguru in Deutschland an der Macht, was würde es tun?
Das Känguru würde all das abschaffen, was man so Finanzwirtschaft nennt. Zudem ein Grundeinkommen einführen und den bestehenden Arbeitszwang aufheben, damit sich Menschen darüber Gedanken machen können, ob das, was sie tun, ihnen wirklich gefällt.


Hat sich die Figur des Kängurus im Vergleich zum ersten Buch verändert?
Nun, es ist kein Bildungsroman mit klassischer Figurenentwicklung. Dieses Buch ist aber deutlich düsterer als das erste.


Warum?
Weil ich das Gefühl habe, dass die Welt düsterer wird.


Düsterer?
Zum Beispiel diese Rechtspopulisten, die vielerorts auf dem Vormarsch, in einigen Ländern gar an der Macht sind. Der neue Fremdenhass, diese traurige Asyldebatte und die Sarrazin-Thesen. Zugleich ein Wirtschaftssystem, das total versagt. Die Leute mit Arbeit haben Geld, aber keine Zeit, und die anderen Zeit, aber kein Geld.


Wie gehen Sie selbst mit dieser Krisenzeit um?
Ich versuche, ein Leben zu führen, wo ich am Ende des Tages wenigstens sagen kann: Ich habs immerhin nicht schlimmer gemacht. Und bloß nicht resignieren.


In dem neuen Buch scheint auch das Känguru kämpferischer zu sein, eine Antwort auf die Krise?
Ja, deswegen gründet es eine Antiterrororganisation. Gegen den Terror des Systems, der Fabriken, der Wirtschaft und der Medien.


Was treibt das Känguru an?
Es ist in Sorge um das kritische Bewusstsein der Menschen. Es kämpft gegen die neue Religion der Sachzwänge und der angeblichen Alternativlosigkeit. Das Perfide ist ja, es gibt in unserem System keinen Oberbösewicht. Es ist allumfassend wie ein Hamsterrad. Es gewinnt immer mehr Kontrolle über den Hamster, der irgendwann sogar vergisst, dass er im Hamsterrad ist.


Marx und Engels schrieben ihr Manifest für die Arbeiterbewegung. Für wen haben Sie das Känguru-Manifest geschrieben?
Für all die Menschen, die immer wieder an den Punkt kommen, wo sie sich sagen: Ich dachte schon, ich bin verrückt, weil ich das Gefühl habe, der Einzige zu sein, der denkt, hier läuft etwas falsch.


Was finden die in dem Buch …
Ein sehr gewitztes Känguru, das offenbar vielen Menschen aus der Seele spricht und sie zum Lachen bringt.


Was kommt nach dem Lachen?
Etwas in seiner Lächerlichkeit bloßzustellen, ist das Wichtigste, was Satire leisten kann. Wenn ich über etwas lachen kann, es als lächerlich erkenne, verliere ich auch in gewissem Grade die Angst davor. Und wer keine Angst mehr hat, dem fällt es leichter, sich zu wehren.

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