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Das Erbe des Zweiten Weltkriegs

erschienen in Clara, Ausgabe 36,

Die neue griechische Regierung erwartet, dass Deutschland alte Schulden begleicht.

Ministerpräsident Alexis Tsipras und seine Regierung haben die Bundesrepublik aufgefordert, Reparationen und Entschädigungen für deutsche Kriegsverbrechen im Zweiten Weltkrieg zu zahlen und eine Zwangsanleihe zu begleichen.
Nach den Berechnungen griechischer Experten belaufen sich die Forderungen nach Entschädigungen und Reparationen auf bis zu 280 Milliarden Euro: für rund eine halbe Million ermordete Griechinnen und Griechen, für Überlebende von Massakern und Zwangsarbeit sowie für die enorme wirtschaftliche Ausplünderung und Zerstörung während der deutschen Besatzungszeit. Die Bundesregierung lehnt dies vehement ab und gibt vor, alles sei schon beglichen worden. Zwar gewährte Deutschland im Jahr 1960 Griechenland eine Zahlung in Höhe von 115 Millionen D-Mark, aber diese war nur für einen sehr kleinen Teil der Nazi-Opfer gedacht und entsprach nicht einmal im Ansatz den wirklichen Schäden. Vorsichtige Schätzungen beziffern den heutigen Wert der damals zugefügten Schäden allein an Sachwerten, Infrastruktur und Staatsvermögen auf dreistellige Euro-Milliardenbeträge.

Bei der Zwangsanleihe handelt es sich um einen zinsfreien Kredit, den die Nazis im Jahr 1942 der griechischen Nationalbank abgepresst hatten. Diese Verbindlichkeiten, die bei Kriegsende noch 476 Millionen Reichsmark betrugen, hat Deutschland bis zum heutigen Tag nicht zurückgezahlt, obwohl es die vertraglichen Verpflichtungen des Deutschen Reichs übernommen hat. Nach Ansicht der griechischen Regierung entspricht diese Zwangsanleihe heute einem Wert von mehr als 10 Milliarden Euro. Dass die Bundesregierung die Forderungen der griechischen Regierung brüsk zurückweist, empfindet der Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE, Gregor Gysi, als unfair: „Wie will man jetzt von Griechenland die Rückzahlung von Darlehen verlangen, wenn man eigene niemals zurückgezahlt hat?“

Die Fraktion DIE LINKE hat zu dieser Thematik schon drei Anträge in den Bundestag eingebracht und veranstaltet am 29. Juni 2015 in Berlin eine Konferenz mit internationalen Gästen, bei der es um die Frage von Entschädigungen, Reparationen und der Rückzahlung des Zwangskredits an Griechenland gehen wird. Dabei werden nicht nur Umfang und Berechtigung der griechischen Forderungen dargelegt und diskutiert, sondern auch die Möglichkeiten zu ihrer Durchsetzung.

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