Zum Hauptinhalt springen

Das Afghanistan-Dilemma

erschienen in Klar, Ausgabe 18,

Diese Zahlen machen das Dilemma des Afghanistan-Einsatzes verständlich:Täglich investieren die in Afghanistan stationierten Länder mehr als 100 Millionen Dollar in militärische Aktionen, aber nur sieben Millionen Dollar in zivile Aufbau-Projekte. Seit Jahren beklagen Hilfsorganisationen dieses Missverhältnis.

Tod statt Sicherheit, Eskalation statt Frieden:Die Sicherheitslage im Land wird immer katastrophaler. Allein in den letzten drei Monaten starben fast 300 NATO-Soldaten und mehrere Hundert Zivilisten, vor allem Kinder. Wie wenig die Lage unter Kontrolle ist, zeigte jüngst auch die Steinigung eines jungen Paares im Schutzbereich der Bundeswehr. Nur eine Stunde von einem Truppenlager entfernt, fand auf einem Marktplatz die Hinrichtung statt.

Das Scheitern des NATO-Konzepts hat für die Bevölkerung fatale Folgen:61 Prozent der afghanischen Bevölkerung sind unterernährt. Die durchschnittliche Lebenserwartung ist auf 43,1 Jahre gesunken. Fast 90 Prozent der Bevölkerung haben keinen Zugang zu Trinkwasser. Nach Angaben des afghanischen Gesundheitsministeriums sterben jährlich bis zu 65 000 Kinder an verunreinigtem Wasser.

Glaubt man dem Verteidigungsministerium, dann kostet der Militäreinsatz in Afghanistan den deutschen Steuerzahler
rund eine Milliarde Euro pro Jahr. Doch diese Zahlen hält selbst das renommierte Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) für unrealistisch. DIW-Experten veröffentlichten jüngst die erste Studie zu den Gesamtkosten des deutschen Einsatzes: Dieser koste pro Jahr mindestens 2,5 bis 3 Milliarden Euro.Insgesamt belaufen sich die Kosten für den Einsatz der Bundeswehr in den Jahren 2001 bis 2011 auf etwa 25 Milliarden Euro.

Auch interessant