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Damenwahl für Leipzig

Von Barbara Höll, erschienen in Clara, Ausgabe 26,

Barbara Höll ist Bundestagsabgeordnete, Finanz- und Steuerexpertin der Fraktion DIE LINKE und Leipzigerin mit Leib und Seele. Jetzt will sie in ihrer Heimatstadt Oberbürgermeisterin werden

Es ist mitten im Monat, mitten in der Woche, früher Nachmittag. Im altehrwürdigen Leipziger Rathaus tagt die monatliche Ratsversammlung. Mittendrin Barbara Höll, die Bundestagsabgeordnete der Fraktion DIE LINKE. Sie müsste dort nicht sein, will es aber. Freiwillig und wann immer ihre bundespolitische Arbeit es zulässt, besucht sie die Debatten im Stadtparlament, macht sich Notizen, registriert aufmerksam das Für und Wider kommunalpolitischer Entscheidungen. Rederecht hat sie nicht. Noch nicht!

Heute geht es unter anderem um KitaPlätze, um Wartelisten, um Klagen von Eltern gegen die Stadt. Dann steht ein bundesweites Thema auf der Tagesordnung. Die Stadtfraktion DIE LINKE – sie ist nach der CDU mit 17 Abgeordneten die zweitstärkste Fraktion im Kommunalparlament – hatte den Antrag gestellt, dass Leipzig sich dem Bündnis "Vermögensteuer jetzt" anschließt. Wortgefechte, laut und heftig, werden ausgetragen: "nichts als Ideologie", "eine Ablehnung wäre verheerend", "es geht um Gerechtigkeit und Solidarität". Am Ende wird der Antrag angenommen. Ein Erfolg für DIE LINKE. Barbara Höll, die Finanz- und Steuerexpertin, freut sich.

Denn Werte wie Solidarität, Gerechtigkeit, der Zusammenhalt der Menschen in Leipzig stehen bei ihr ganz oben auf der Agenda. Was kaum jemand weiß und was hinter den schönen Fassaden im Zentrum niemand sieht: Leipzig hat als Armutsstadt bundesweit eine traurige Berühmtheit erlangt. Das persönliche monatliche Nettoeinkommen der Leipziger Bevölkerung beträgt aktuell 1.066 Euro. Männer verdienen 1.162 Euro, Frauen 964 Euro. Damit liegen die Leipziger deutlich unter dem sächsischen und weit unter dem Bundesdurchschnitt. Im Juli waren über 30?000 Menschen offiziell als arbeitslos gemeldet. Das ist ebenfalls ein Rekordniveau, es ist Sachsens höchste Arbeitslosenquote. Dazu kommt: Jedes dritte Kind in Leipzig wächst in Armut auf.

Am Abend ist Barbara Höll wieder mittendrin, im Bürgerhaus im Leipziger Stadtteil Schönefeld. Diesmal im Dialog mit Frauen und Männern. Das ist genau das, was sie auch als zukünftige Oberbürgermeisterin will – offene und öffentliche Gespräche, ein transparentes Rathaus, Beteiligung der Einwohner und eine faire Diskussion darüber, was kann die Stadt sich leisten, was muss sie sich leisten. Die 54-Jährige lebt seit über 30 Jahren in Leipzig, sie wohnt gern hier, kennt jeden Winkel, ist mit der Mentalität der Menschen vertraut. Und die wiederum schenkten der Abgeordneten schon oft ihr Vertrauen. Das erste Mal 1990. Da wurde sie in den Bundestag gewählt. Damals noch in Bonn. Eine harte Schule, sich im etablierten Regierungsviertel als Frau, als eine aus dem Osten und dann auch noch als Linke Respekt zu verschaffen. Das ist längst Geschichte. Im Berliner Bundesparlament steht der Name Barbara Höll für Kompetenz und Sachlichkeit, wenn es um Wirtschaft, Arbeit, Finanzen und Steuern geht. Insgesamt bewerben sich in Leipzig sechs Kandidaten um das Amt des Oberbürgermeisters. Fünf Männer, eine Frau. Als die offene Bürgerrunde sich an diesem Abend nach etwa drei Stunden miteinander Redens auflöst, verabschiedet sich Barbara Höll freundlich mit: "Haben Sie Mut zur Damenwahl."

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