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Dach über dem Kopf

erschienen in Lotta, Ausgabe 5,

Gute Gründe für anders wohnen – bezahlbar, nachbarschaftlich, gemeinnützlich.

 

Gabriele hat 24 Jahre mit Mann und Kindern in einer geräumigen Berliner Altbauwohnung gelebt. Nach der Scheidung wohnten die Kinder bei ihr, letztes Jahr zog der jüngste Sohn aus. Was ihr blieb, waren 120 Quadratmeter, 900 Euro Miete und 1.375 Euro Monatseinkommen. Jetzt wird sie in Rente gehen, mit 63 Jahren und entsprechenden Abschlägen.

Wo und wie soll sie zukünftig wohnen? Eine Freundin erzählte ihr von einer Berliner Wohnungsgenossenschaft, der Bremer Höhe e.G., mitten im Prenzlauer Berg. Sie hatte Glück; ein bezahlbares Zimmer, ein Gärtchen für alle.

Die Bremer Höhe e.G. ist eine noch junge Genossenschaft. Gegründet vor 13 Jahren als widerständiges Modell. Mit ihr entstand ein Stück Zukunft gegen den Trend von Wohnraum- privatisierung und Wuchermieten. Renate ist 42 Jahre, lebt allein, mit der Sehnsucht nach Gemeinschaftlichkeit jenseits von Partnerschaft. Sie suchte nach Wohnprojekten für und mit Frauen, fand die Beginenhöfe, eine über 800 Jahre alte Form weiblichen Zusammenlebens.

Nurda hat drei kleine Kinder, lebt getrennt von ihrem Mann, findet trotz Hochschulabschluss keinen Job. Ihre Wohnung ist winzig, trotzdem teuer. Sie vermisst vor allem soziale Kontakte. Sie sucht nach einem Ort, an dem Junge und Alte, Frauen mit und ohne Kinder in »Wahlverwandtschaften« leben können. Noch hat sie diesen Ort nicht gefunden.

Frauen begeben sich immer häufiger auf die Suche nach alternativen Wohn- und Lebensformen. Sie leben länger, allerdings auch ärmer als Männer. Sie sind – ebenso wie Alleinerziehende – besonders auf bezahlbaren Wohnraum angewiesen. Nicht an den Rand gedrängt und weit draußen, sondern mittendrin. Sie wollen eigenständig, aber nicht vereinzelt leben. Das setzt voraus, Wohnen als Daseinsvorsorge, als ein Grundrecht zu begreifen. Und heißt: kein Mietwucher, keine weitere Privatisierung guter Wohnanlagen, mehr Verantwortung in kommunale und genossenschaftliche Wohnungsprojekte. Beispiele dafür gibt es. Das »Bunte Haus« in Berlin Steglitz-Zehlendorf etwa. Dort lebt eine Gruppe von elf Frauen im Alter von 45 bis 78 Jahren. Sie fühlen sich behütet in ihrer Wahlfamilie, weil sie soziale Kontakte und gegenseitige Hilfe bietet. Ähnlich ist das bei OLGA – Oldies leben gemeinsam aktiv – in Nürnberg. Eine lange Tradition haben auch Frauenwohnprojekte in Frankfurt am Main. Schon 1926 gründete sich dort die »Siedlungsgenossenschaft berufstätiger Frauen«. Ziel war die Versorgung mit »billigen, gesunden Wohnungen« für Frauen mit begrenzten Einkommen.

Diese Sorge ist aktueller denn je. Nicht nur, weil etliche Wohnprojekte erhebliche finanzielle Ressourcen voraussetzen, die Frauen kaum oder selten haben, sondern weil ihre Einkünfte auch immer bescheidener werden. Das »Dach über dem Kopf« bleibt somit eine der wichtigsten Daseinsfragen. Im Juni 2013 brachte DIE LINKE einen Antrag im Bundestag ein, um Wohnungsnot zu bekämpfen, den sozialen Wohnungsbau neu zu starten und diesen als Kern einer gemeinnützigen Wohnungswirtschaft zu entwickeln.

Astrid Landero

 

Wohnen ist ein Grundrecht

Die Fraktion DIE LINKE will Mieterinnen und Mieter schützen und fordert:

• Förderung des sozialen, gemeinnützigen Wohnungsbau mit mindestens 150.000 Mietwohnungen jährlich

• Sofortiger Stopp der Privatisierung öffentlicher Wohnungen

• Ausstattung der Kommunen für Investitionen und Rekommunalisierung der Wohnungsbestände

• Deckelung der Mietobergrenzen

• Rücknahme der Mietrechtsänderungsgesetz

• Keine Erhöhung der Nettokaltmieten in bestehenden Mietverhältnissen ohne Wohnwertverbesserung

• Mieterhöhungen allein aufgrund von Neuvermietungen sind unzulässig

• Übernahme von Maklerprovisionen durch Vermieter

• Keine Spekulationen mit Wohnungen

• Begrenzung der Modernisierungsumlagen auf fünf Prozent, nach Abschreibefrist vollständige Rücknahme

• Aufstocken des Wohngelds

 

 

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