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Chaos beim Bildungspaket

erschienen in Klar, Ausgabe 21,

Das Jobcenter Berlin-Lichtenberg hat bei Familie Ludewig alle beantragten Leistungen abgelehnt.

Bernd Ludewig und seine Frau leben in Berlin und müssen mit Hartz IV auskommen. Er ist 53 Jahre alt, gelernter Maschinenbauingenieur und auf Arbeitssuche, seine Frau ist im Moment in Elternzeit. Beide möchten, dass ihre vier Kinder im Alter von fast zwei bis 13 Jahren eine gute Bildung erhalten, auch wenn es finanziell an allen Ecken und Enden klemmt.

Also hat Bernd Ludewig sich gekümmert und für seine Söhne Gideon (13), David (11) und seine Tochter Tabea (6), die Kindergarten oder Schule besuchen, einige Leistungen aus dem neuen Bildungspaket beantragt. Im Jobcenter Berlin-Lichtenberg, schon Anfang April. Dreimal Zuschuss für Essensgeld, viermal Zuschuss für Sportverein – drei Kinder gehen schwimmen, David auch zum Judo – und für die beiden älteren Kinder einen Beförderungszuschuss für die Fahrt zur Schule. Die Anträge wurden erstaunlich schnell bearbeitet – und abgelehnt.

Der vierfache Vater war fassungslos. Im Schreiben des Jobcenters stand, abgelehnt würden Leistungen für Schulbeförderung, da Berlin im »Tagespendelbereich« liege. »Ist man schuld, wenn man in einer Stadt wohnt und wohnortnahe Schulen sucht, zu denen Kinder trotzdem nur mit Verkehrsmitteln gelangen können?«, fragt er. Doch damit nicht genug: Auch die anderen Zuschüsse wurden nicht genehmigt. Nicht für die warme Mahlzeit in Schule und Kindergarten, nicht für die Sportvereine. Was Bernd Ludewig erlebt, ist ein einziges Chaos. Anträge über Anträge, für jede Leistung ein extra Formular, für jedes Kind in der Familie ein separater Vorgang. Dazu Belege, Nachweise. Bernd Ludewig hat nun alle Anträge ein zweites Mal gestellt.

Weil bis April gerade mal zwei Prozent aller Anspruchsberechtigten einen Antrag auf das Bildungspaket gestellt hatten, haben CDU/CSU und FDP nun die Frist bis Ende Juni für rückwirkende Leistungen verlängert.

Sollten Familien wie die von Bernd Ludewig den Hürdenlauf bis dahin geschafft haben, geht alles von vorne los. Denn die Leistungen aus dem Bildungspaket gelten immer nur für ein halbes Jahr.

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