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Bundeswehr rekrutiert an Schulen

erschienen in Klar, Ausgabe 21,

Weil der Bundeswehr der Nachwuchs fehlt, wirbt sie verstärkt an Schulen und in Medien. Viele Eltern und Schüler sind besorgt und wehren sich zum Teil mit Erfolg dagegen.

Die Bundeswehr hat Glück. In Zeiten großer Nachwuchssorgen öffnen sich ihren Werbeprofis die Türen zu Klassenzimmern immer leichter. Der Grund dafür sind zahlreiche in jüngster Zeit geschlossene Kooperationsvereinbarungen von Bundesländern mit der Bundeswehr. Darin wird die Armee zum offiziellen Bildungspartner erklärt: Soldaten halten politische Vorträge in Schulen, sponsern Unterrichtsmaterialien, laden zu Exkursionen in Kasernen ein und erreichen so hunderttausende von Schülerinnen und Schülern. In acht Bundesländern gibt es bisher schon solche Partnerschaften – auch in Nordrhein-Westfalen.

Dagegen engagiert sich der 19-jährige Abiturient Robin Cramer aus Düsseldorf. Zusammen mit vielen anderen Schülern und Lehrern versucht er, die Vereinbarung zu kippen: mit Initiativen im Landtag, Besuchen bei der Schulministerin und viel Öffentlichkeitsarbeit. »Wir wollen nicht, dass die Bundeswehr in Schulen Werbung für den Krieg macht«, sagt Robin Cramer, der Mitglied der Landesschülervertretung ist. Weil die Landesregierung aus SPD und Grünen an der Vereinbarung festhält, organisieren Robin Cramer und andere Aktivisten Widerstand direkt an den Schulen. Ihre Empfehlung: Schüler, Lehrer oder Eltern sollen Anträge auf der Schulkonferenz einbringen, die die Zusammenarbeit mit der Bundeswehr unterbinden. An seiner eigenen Schule, der Hulda-Pankok-Gesamtschule in Düsseldorf, waren Robin und seine Mitschüler damit erfolgreich. Als Schülervertretung brachten sie so einen Antrag ein, überzeugten Lehrer und Eltern, und auf der Schulkonferenz wurde beschlossen, keine Kooperation mit der Bundeswehr einzugehen.

Bundesweit regt sich an immer mehr Schulen Widerstand. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) lehnt die Werbeversuche der Bundeswehr ab und ruft Lehrer zum Widerstand auf. »Die Schule ist kein Ort für Rekrutierung von Berufssoldatinnen und -soldaten.«

Doch die Bundeswehr setzt nicht nur auf Jugendoffiziere und Präsenz bei Berufsmessen. Im April startete sie eine millionenschwere Werbekampagne. Zudem organisieren Soldaten Sportveranstaltungen wie etwa das Volleyballturnier »Bw-Beachen«. Auf Kosten der Bundeswehr werden tausende von Jugendlichen in Kasernen und Sportschulen eingeladen. Dort spielen sie dann auf Feldern, umringt von Wehrdienstberatern, Infoständen und Kriegsgerät.
Die Werbeprofis der Bundeswehr nutzen auch den bei Kindern besonders beliebten Freizeitsport Fußball. Derzeit ist die Bundeswehr Premiumsponsor der sogenannten Schul-Liga, einem deutschlandweiten Fußballturnier. Mehr als 6000 Schüler spielen mit. Auf Nachfrage der Fraktion DIE LINKE kam jetzt heraus, dass die Bundeswehr dafür mehr als 240 000 Euro an Steuergeldern ausgibt. Sie verschenkt Trikots und stellt Werbebanden bei den Turnieren auf. Am Spielfeldrand fast immer mit dabei:  Soldaten, die bei den Kids für den Dienst mit der Waffe werben.

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