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Bergkamen »verstaatlicht« Müllabfuhr

erschienen in Klar, Ausgabe 4,

»Es gibt eine breite Zustimmung in der Bevölkerung«, erläutert Bürgermeister Roland Schäfer gegenüber Klar

Welche Vorteile zieht die Stadt Bergkamen daraus, dass der öffentliche Dienst den Müll entsorgt?

Roland Schäfer: Erstens ist die Müllabfuhr jetzt deutlich preiswerter als vorher. Als Folge konnte für die Bürgerinnen und Bürger die Müllabfuhrgebühr im letzten und in diesem Jahr gesenkt werden. Zweitens sind in Bergkamen neue Vollzeit-Arbeitsplätze entstanden: neun Arbeitsplätze im gewerblichen Bereich und eine Disponentenstelle. Hinzu kommen zwei Teilzeit-Verwaltungsstellen. Alle natürlich nach Tarif bezahlt. Drittens können wir als Stadt schneller und flexibler reagieren, da wir alleine verantwortlich sind. So haben wir etwa in diesem Jahr als neues Angebot eine gebührenreduzierte »Windeltonne« und zusätzliche Varianten der Sperrmüllabfuhr eingeführt.

Sie haben die Müllabfuhr rekommunalisiert. Viele denken da gleich an Verstaatlichung à la DDR. Gab es zu Beginn ideologische Bedenken?

Roland Schäfer: Verstaatlichung in diesem Sinne ist unzutreffend. Wir haben dem Privatunternehmer, der bis Mitte 2006 die Müllabfuhr in Bergkamen durchführte, weder Fahrzeuge noch Mülltonnen weggenommen. Warnungen, Kritik und Bedenken gab es natürlich, nach dem Motto: »Ist doch klar, dass das teurer werden muss« oder »der öffentliche Dienst braucht doch viel mehr Leute, und die arbeiten auch noch langsamer.«

Wie reagieren die Bürgerinnen und Bürger heute?

Roland Schäfer: Heute sind die kritischen und warnenden Stimmen verstummt. Es gibt eine breite Zustimmung in der Bevölkerung zu der kommunalen Lösung. Die Müllabfuhr funktioniert problemlos, und gegen die Gebührensenkung 2006 und 2007 hat auch niemand protestiert.

Roland Schäfer ist seit 1999 direkt gewählter Bürgermeister der Stadt Bergkamen und Präsident des Deutschen Städte- und Gemeindebundes.

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