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Auf Weihnachtstour in Rumänien

Von Frank Tempel, erschienen in Clara, Ausgabe 34,

Ende November war Frank Tempel eine Woche lang in Rumänien unterwegs, um Geschenke und Spenden an Schulen, Kindergärten und Heime zu übergeben. In clara schildert er seine Erlebnisse. 

Ein bisschen Weihnachten nach Rumänien bringen, das war unser gemeinsamer Wunsch, und dafür wurde schon viele Wochen zuvor im gesamten Altenburger Land in Thüringen fleißig und mit viel Herzblut gearbeitet. Mit vier Fahrzeugen, vollgepackt mit 1 200 Weihnachtspäckchen, Pflegematerialien, Fahrrädern und Lebensmitteln gingen wir am 22. November 2014 auf eine Tour, die über 1 400 Kilometer lang sein sollte. Diese Tour führt rund um die beiden Städte Ludus¸ und Baia de Aries¸ in der Region Transsilvanien.    Vor Reisebeginn waren schon viele ehrenamtliche Helferinnen und Helfer in meiner Heimatregion Altenburger Land für diese Aktion unterwegs. Sie erzählten in Schulen, Kindergärten und Vereinen von den Erfahrungen und Erlebnissen vergangener Reisen. Denn diese Hilfstransporte der Thüringer nach Rumänien finden bereits seit über 20 Jahren statt. Und so wusste jeder, der spendete, etwas schenkte oder ein persönliches Paket packte, genau, wen diese Hilfe erreichen soll.    Zwei Tage waren der Konvoi und die zehn Helfer über zahllose Straßen und Grenzen auf Tour. Angekommen, wurden die drei großen Transporter und zwei Anhänger gemeinsam mit unseren Partnern vor Ort ausgeladen und gleich sortiert. Päckchen für kleine Mädchen und Jungen, für die großen, für Familien, Großeltern und so weiter. Windeln für die Kinderstation nach rechts, Pakete mit den Materialien für Kindergärten und Schulen nach links – es war zu spüren, hier arbeitet ein eingespieltes Team.    Das war Sonntagabend, unmittelbar nach der langen Fahrt. Montagmorgen dann, Punkt 6 Uhr, gab es Frühstück – und eine Einweisung. Welche Schule besuchen wir? Wie viele Pakete müssen am ersten Tag und an welchem Ort verteilt werden? Für mich berührend zu beobachten, wie professionell und perfekt die Organisation abläuft. Wie schnell und direkt die Spenden die Empfängerinnen und Empfänger erreichen. Auch das funktioniert nur durch die vielen helfenden Hände vor Ort, über Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren.    Überwältigende Herzlichkeit   Wir treffen auf Kinder, die es kaum erwarten können, ihre Pakete zu öffnen. Jungen, die mit jedem einzelnen Geschenk stolz zu ihren Mitschülern laufen. Mädchen, die ihr neues Kuscheltier eng an sich drücken. Alle Mühe ist vergessen in solchen Momenten.    Nach diesem ersten Verteilen in Petrilaca, Dataseni und Orosia ging es weiter in andere ländliche Schulen und Kindergärten. Auch in die Chirurgie und Kinderstation eines Krankenhauses in Ludus¸. Danach ein Besuch im Pflegeheim für geistig behinderte Menschen. Ärzte, Pfleger, Patienten und der Direktor begrüßten uns mit einem Willkommensprogramm. Hier war es nicht ganz einfach, für jeden Patienten das wirklich passende Päckchen zu finden. Wir schlugen vor, die Pakete durch die Pfleger öffnen zu lassen und die jeweiligen Geschenke dann gezielt an die einzelnen Patienten zu geben. Genauso machten wir es bei den pflegebedürftigen Patienten in ihren Zimmern. Ein Arzt sagte uns, dass es für die Frauen und Männer nicht wichtig sei, was wir und wie viel wir mitbringen, sondern dass wir von so weither kommen und sie besuchen. Kleine menschliche Gesten mit großer Wirkung. Also gingen wir mit Schokolade und Mandarinen in jedes einzelne Zimmer und waren von der Herzlichkeit überwältigt.    Diese unzähligen Begegnungen bleiben, auch jetzt, wo wir nach einer strapaziösen Rückfahrt wieder zu Hause sind. In Erinnerung bleiben besonders diese großartige Gastfreundschaft und das Kennenlernen vieler Menschen, die dieses Projekt umsetzen. Dort in Rumänien und hier vor Ort in Thüringen. Helfen kann so einfach sein. Und das nicht nur zur Weihnachtszeit.   Frank Tempel ist stellvertretender Vorsitzender des Innenausschusses und drogenpolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE

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