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Auch Hoffnung für die Frauen in den USA?

erschienen in Querblick, Ausgabe 10,

Dezember 2008. Die Palmen auf dem Campus der University of California in Los Angeles sind so grün wie immer und doch liegt etwas in der Luft: Die USA haben sich verändert seit dem Wahlsieg des jungen halbschwarzen Mannes aus Illinois. Aber wie diese Veränderungen aussehen werden, darüber wird in Kalifornien überall diskutiert. Jedem und jeder scheint nach der Phase der Euphorie über den Wahlsieg Obamas die Frage ins Gesicht geschrieben zu sein: Wie viel »Change« wird es nun wirklich geben? Was wird sich ändern? Neben den Fragen Krieg und Frieden, Finanzkrise und Migration spielen auch immer wieder Geschlechterfragen eine Rolle: Waren die Frauen im Vorwahlkampf der Demokraten alle für Clinton? Welche Rolle haben die Frauen in Obamas Kabinett?

Wir sitzen im Garten des Restaurants, dass den Angestellten der Universität vorbehalten ist. Carol Pateman ist eine kleine Frau mit einem starken englischen Akzent und große Feministin. Ihre Publikationsliste ist lang und ihre Analysen zum Geschlechterverhältnis sind messerscharf. Sie und Monika Knoche (MdB DIE LINKE) sind sich schnell einig: Eine Hillary Clinton als Außenministerin nützt nichts, wenn sie nicht auch explizit Politik für Frauen macht. Das haben wir durch unsere Kanzlerin Angela Merkel, die sich politisch noch nie für Frauen eingesetzt hat, wirklich gelernt. So ist auch zu erklären, warum viele Frauen im Vorwahlkampf einem feministischen Anspruch zum Trotz von Hillary zu Obama umschwenkten. Und: trotz Quoten und Frauen im Parlament sind Frauen in Deutschland und den USA immer noch von vielen politischen Entscheidungen ausgeschlossen.

Ob die Tatsache, dass ein Schwarzer zum Präsidenten der USA gewählt wurde, irgendetwas am engen Korsett der Geschlechterverhältnisse im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ändern wird?

Wenn man davon ausgeht, dass rassistische und patriarchale Hegemonien eng mit einander verbunden sind, dann müsste, wenn die eine ins Wanken gerät, auch die andere sich verändern. Die Tatsache aber, dass Obama bei der Besetzung seines Kabinetts an die Aufteilung der Posten zwischen Frauen und Männern anknüpft, spricht eher dagegen. Deswegen bleibt Carol Pateman skeptisch: »I am waiting for the proof of the pudding.« (Ich warte auf den Beweis im Pudding.)
Johanna Bussemer

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