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Armut ist oft weiblich

erschienen in Querblick, Ausgabe 15,

Ungerechte Verteilung der Arbeit und ungleiche Entlohnung für gleiche Arbeit müssen ein Ende haben

Armut ist weiblich. Diese Tatsache ist bekannt und wird durch zahlreiche Untersuchungen, wie etwa den Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung, bestätigt. Demnach beträgt die allgemeine Armutsrisiko-Quote bei Frauen 21 Prozent, bei Männern 16 Prozent. Zu den Ursachen von Frauenarmut gehört, dass Frauen für gleichwertige Arbeit im Durchschnitt zirka um ein Viertel schlechter bezahlt werden als ihre männlichen Kollegen. Um es an einem Beispiel zu illustrieren: Im Baugewerbe, einer eher männlich geprägten Arbeitswelt, gibt es einen Erschwerniszuschlag, wenn Lasten über 40 Kilogramm zu tragen sind. In der Pflege, einer eher von Frauen geprägten Arbeitswelt, gibt es jedoch keinen Erschwerniszuschlag, obwohl dort Menschen gehoben werden müssen, die weit mehr als 40 Kilogramm wiegen. Hier sind beide Tarifparteien – Unternehmen wie Gewerkschaften – gefragt, diese Ungerechtigkeit zu beenden.

Ursächlich für Frauenarmut ist neben der Entgelt-Ungerechtigkeit die ungerechte Verteilung der verschiedenen Tätigkeiten zwischen den Geschlechtern. So wird ein Großteil der gut bezahlten Jobs immer noch von Männern besetzt, während die unbezahlte Arbeit in der Familie und im Freundeskreis überproportional von Frauen getan wird. Dank der Zeitbudgeterhebung des Statistikamtes wissen wir: Frauen leisten im Durchschnitt wöchentlich 31 Stunden unbezahlte Arbeit, Männer lediglich 19,5 Stunden. Zu dieser ungerechten Verteilung gehört, dass Aufgaben wie Putzen immer noch zu 75 Prozent von Frauen erledigt werden. Notwendig wäre eine Umverteilung in den verschiedenen Arbeitsbereichen und zwischen den Geschlechtern: Mehr gut bezahlte Jobs in Frauenhände, und im Gegenzug sollte mehr unbezahlte, aber gesellschaftlich unverzichtbare Arbeit an die Männer übergeben werden.

Die ungerechte Verteilung der Arbeiten und die Benachteiligung von Frauen in der Erwerbsarbeitswelt werden leider in der Sozialpolitik fortgesetzt. Denn: Die herrschende Sozialpolitik ist der ins Gesetz gegossene Ausdruck einer Überzeugung, die sagt: Nur Erwerbsarbeit ist Leistung an der Gesellschaft. (Welch ein tragischer Irrtum! Man stelle sich nur mal vor, all die vielen Menschen, die mit unbezahlter Arbeit zum Zusammenhalt unserer Gesellschaft beitragen, stellten ihre Arbeit plötzlich ein.)

Beispielsweise richtet sich die Höhe von Rente und Arbeitslosengeld I nur nach der Höhe der eingezahlten Beiträge, also nach der Lohnhöhe. Wer einen niedrigeren Lohn hat, erwirbt somit geringere Ansprüche. Kein Wunder also, dass mit 526 Euro die Durchschnittsrente von Frauen weit unter der Durchschnittsrente der Männer mit 963 Euro liegt. (Für die neuen Bundesländer stellt sich das auf Grund der unterschiedlichen Erwerbsbiografien anders dar.) Es zeigt sich, dass eine Rentenpolitik, die allein auf Lebensstandardsicherung abzielt, im Alter die Ungerechtigkeiten zwischen den Geschlechtern fortschreibt. Die LINKE hat deswegen in ihrem Wahlprogramm dem Schutz vor Altersarmut besondere Bedeutung beigemessen und sich dafür ausgesprochen, dass niemand im Alter ein Einkommen unter 800 Euro haben soll. Eine sanktionsfreie Mindestsicherung und höhere Hartz-IV-Regelsätze von 500 Euro für Erwachsene sollen zudem Armut für Männer wie für Frauen verringern.

Katja Kipping, MdB, Sozialpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE

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