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Arme Kinder in einem reichen Land

erschienen in Klar, Ausgabe 5,

Deutschland ist ein reiches Land. Aber 2,5 Millionen Kinder leben auf dem Armutsniveau von Hartz IV. Ihre Zahl hat sich seit 2004 mehr als verdoppelt.

»Wir wollen alle Kinder aus der Sozialhilfe herausholen. Das ist die soziale Herausforderung dieses Jahrzehnts«, sagt Diana Golze. Sie ist kinder- und jugendpolitische Sprecherin der Linksfraktion. Statt des Kinderzuschlags wirbt sie für eine Kindergrundsicherung. Als ersten Schritt sollen alle Kinder unter 18 Jahren ein einheitliches Kindergeld von 250 Euro bekommen, welches nicht auf andere Leistungen wie Hartz IV angerechnet wird.

In der Kinderarmutsstatistik rangiert Bremen an erster Stelle der westdeutschen Großstädte. Hier wachsen rund dreißigtausend Kinder unter Armutsbedingungen auf, siebentausend sind es in Bremerhaven. Besonders benachteiligt sind Kinder und Jugendliche aus armen Elternhäusern. Was für andere Kinder selbstverständlich ist, bleibt für sie unerreicht: Sportverein, Zoobesuch oder Computerkurs. Das führt zu Ausgrenzungen, Armut vererbt sich von Generation zu Generation. Hartz IV verschärft das Problem. Ausgaben, die nicht regelmäßig anfallen, wurden gestrichen. Bei der Einschulung gibt es keine Schultüte und keine Malstifte. Nach Sozialgesetzbuch stehen einem Schulkind 2,62 Euro pro Tag zur Ernährung zu - zu wenig, um satt zu werden, und zu viel, um zu hungern.

»Kinder ohne Chancen sind die Arbeitslosen von morgen«, sagt Alt-Bundespräsident Roman Herzog. Von den Ursachen spricht er nicht. Mangelnde Bildung, geringe Einkommen und Arbeitslosigkeit führen zu Armut. Golze: »Das beste Rezept gegen die Arbeitslosigkeit von morgen: heute Armut verhindern.«

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