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Arm trotz Arbeit

erschienen in Klar, Ausgabe 8,

Hartz IV trägt dazu bei, dass die Löhne und Gehälter in Deutschland sinken. Die Folge: Millionen Menschen leben in Armut, obwohl sie arbeiten. Die Lösung: ein gesetzlicher Mindestlohn von zunächst 8,44 Euro.

Frau Z.* ist Aufstockerin. Das sind Menschen, deren Arbeitseinkommen so niedrig ist, dass sie zusätzlich Arbeitslosengeld II beantragen müssen. Die alleinerziehende Mutter hat es geschafft, der Arbeitslosigkeit zu entrinnen. Nach einer Fördermaßnahme fand sie eine 20-Stunden-Stelle im Einzelhandel. Und sie hatte Glück: Ihr Arbeitgeber zahlt den tariflichen Stundenlohn von 8,68 Euro. Andere Arbeitgeber im Einzelhandel, im Hotel- und Bewachungsgewerbe zahlen weit weniger. Trotzdem bleiben ihr am Ende des Monats nur 601,58 Euro netto. Das ist zu wenig zum Leben für die Hannoveranerin und ihren Sohn. Sie erhält zusätzlich Arbeitslosengeld II: Ihre Miete wird gezahlt und sie bezieht monatlich 58 Euro.

Offiziell gibt es in Deutschland mehr als 1,3 Millionen Aufstocker. 450000 von ihnen haben eine Vollzeitstelle. Zur finanziellen Not kommt der Dschungel der Bürokratie, in den sie geraten. Die Arge vergällte der 42-Jährigen die Freude über den neuen Job. “Als ich die Arge im Mai informierte, dass ich ab 1. Juni 2007 eine Stelle habe, wollte man mir sofort die Mittel streichen - für den Monat Mai!”, empört sich Frau Z. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie noch keinen Arbeitsvertrag unterschrieben, ihr erstes Gehalt sollte sie erst Ende Juni erhalten. Nur dank eines Rechtsanwaltes kam sie zu ihrem Recht.

Frau Z. ist kein Einzelfall. Die Bescheide der Arge sind in Bürokratendeutsch verfasst, ihre Fehlerquote ist hoch; das Vertrauen in sie bei vielen Empfängern entsprechend gering. Viele von ihnen empfinden die Behandlung durch die Arge als erniedrigend, deren Mitarbeiter unter dem Druck der Leistungsempfänger und der Vorgesetzten stehen und vielfach schlecht ausgebildet sind.

Richtig kompliziert wurde es für die Verkäuferin, als sie durch Überstunden über dem ALG-II-Satz lag und daraufhin von der Arge aufgefordert wurden Beträge zurückzuzahlen. Den korrekten Rückzahlungsbescheid erhielt sie erst nach Monaten. Seit einem halbem Jahr bemüht sie sich vergeblich um einen Gesprächstermin bei der Arge. Auf telefonische Nachfrage wurde sie an die Anmeldung verwiesen. Doch als sie dort eintraf, konnte man ihr auch nicht weiterhelfen. “Ich will raus aus der Entwürdigung durch ALG II”, sagt Frau Z. Ein Hilferuf.

* Name der Redaktion bekannt

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