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Arm trotz Arbeit

erschienen in Klar, Ausgabe 17,

Rainer Schenke, Marion Schaer und Uwe Ullrich berichten über ihren Berufsalltag. Drei Menschen, drei Generationen, ein Traum: Sie wollen von ihrer Arbeit leben können. Dafür stehen sie morgens früh auf, arbeiten hart und gehen zahlreiche Kompromisse ein. Dennoch bleibt ihr Traum unerfüllt.

Rainer Schenke, Marion Schaer und Uwe Ullrich berichten über ihren Berufsalltag. Drei Menschen, drei Generationen, ein Traum: Sie wollen von ihrer Arbeit leben können. Dafür stehen sie morgens früh auf, arbeiten hart und gehen zahlreiche Kompromisse ein. Dennoch bleibt ihr Traum unerfüllt.

Marion Schaer (60) aus Eppertshausen hat bis zur Wende in Thüringen als Sekretärin gearbeitet:

„Vor zehn Jahren fand mein inzwischen verstorbener Mann Arbeit in Hessen. So zog ich mit um. Ich habe mir stets selbst Arbeit gesucht. Den Job bei einem Versandhandel verlor ich nach drei Jahren, weil Studenten auf 400-Euro-Basis billiger sind. Als ich von einem Landesprogramm für ältere Arbeitnehmer erfuhr, meldete ich mich und konnte mithelfen, in einer Schule eine Bibliothek aufzubauen. Obwohl Schülerinnen und Lehrer mich behalten wollten, war ich mit Ende des Programms meinen Job wieder los. Der Förderverein lässt mich auf 400-Euro-Basis in Teilzeit weiterarbeiten. Der Staat sollte Arbeitsplätze schaffen, anstatt arbeitslose Menschen wie mich mit 60 Jahren in teure Bewerbungstrainings zu stecken.“

Uwe Ullrich (43) aus Wiesbaden ist zu vielem bereit, um aus Hartz IV herauszukommen.

„Ich trage mehrmals in der Woche für Subunternehmen und Subsubunternehmen eines großen Verlags Zeitschriften, Kataloge und Werbeblätter aus. Für jede Zeitschrift bekomme ich neun Cent. Mein Stundenlohn variiert zwischen 1,69 Euro und 2,23 Euro. Ich träume davon, bei der Post als Zusteller oder Sortierer Geld zu verdienen, das zum Leben reicht. Ich habe eine riesige Wut auf Guido Westerwelle: Er zieht über die kleinen Leute her und spielt Arbeitslose gegen Arbeitende aus. Um die Lohndrückerei zu stoppen, brauchen wir einen Mindestlohn von mindestens zehn Euro pro Stunde.“

Rainer Schenke (24) aus Eisenach ist gelernter Koch, er war noch nie einen ganzen Monat lang arbeitslos.

 „Seit drei Jahren habe ich eine unbefristete Stelle in einer Eisdiele, manchmal führe ich den Laden auch alleine. Im Monat verdiene ich derzeit 900 Euro brutto. Ich bin Alleinverdiener. Meine Partnerin und ich erwarten ein zweites Kind. Weil mein Lohn nicht reicht, sind wir zusätzlich auf Hartz IV angewiesen. Frühere Schulfreunde arbeiten in der Industrie als Leiharbeiter für sechs oder sieben Euro. Je weniger Geld die Leute haben, desto seltener gehen sie Eis essen. Auch beim Trinkgeld sparen sie. Irgendwann möchte ich wieder als Koch arbeiten und die Familie ohne Stütze ernähren.“

 

 

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