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Arbeiten trotz Rente

erschienen in Clara, Ausgabe 29,

Die Rentenpolitik der Bundesregierung zwingt immer mehr Rentnerinnen und Rentner in Arbeit.

ahrelang fühlte sich Franziska Lorenz-Hoffmann (65) sicher, wenn sie an ihren Ruhestand dachte. Die Bescheide der Rentenversicherung versprachen ihr fast 800 Euro Rente. Doch Krankheiten – Asthma und Knochenerkrankung – zwangen sie mit 60 Jahren in den vorzeitigen Ruhestand. Die Rentenversicherung erkannte diese Erkrankungen nicht als voll erwerbsmindernd an. Der Schock kam für Franziska Lorenz-Hoffmann mit der Post: mickrige 533 Euro Rente wegen Abschlägen.

Sechs Kinder hat Franziska Lorenz-Hoffmann großgezogen. Für viele Jahre war das ein Ganztagsjob. Nachdem die Kinder aus dem Gröbsten raus waren, arbeitete sie 15 Jahre lang als Wachschützerin. Trotz eines Lebens voller Arbeit erhält sie eine Rente zum Verzweifeln.

Obwohl Franziska Lorenz-Hoffmann eine Behinderung von 60 Prozent hat, geht sie arbeiten für bis zu 250 Euro im Monat. Für andere Rentnerinnen und Rentner macht sie Einkäufe. „Ich habe mir das früher nicht träumen lassen, im Alter noch arbeiten zu müssen“, sagt sie.

So wie ihr geht es mittlerweile Hunderttausenden Rentnerinnen und Rentnern: Sie gehen arbeiten, um ihre Rente aufzubessern. Von September 2003 bis September 2012 stieg die Zahl der Beschäftigten über 65 Jahre von 690.000 auf 984.843, darunter derzeit 144.766 Menschen, die älter als 75 Jahre sind.

Dass immer mehr alte Menschen arbeiten, feiern Bundesregierung und Teile der Medien als Erfolg. Sozialverbände hingegen bewerten die Situation kritisch: Vor allem die existenzielle Not treibe die Älteren in Arbeit. Tatsächlich beziehen in Deutschland Frauen im Durchschnitt eine gesetzliche Rente von nur 541 Euro, Männer erhalten 1.000 Euro im Monat.

Arbeiten im hohen Alter – das befürchtet auch Friederike Schwardt. Sie ist 34 Jahre alt, lebt mit ihrem Lebensgefährten und ihrem dreijährigen Sohn in Berlin. In den vergangenen zehn Jahren hat sie als Heilerziehungspflegerin, kurzzeitig auch als Einzelhandelsverkäuferin gearbeitet. Heute ist sie Fachkraft für Integration in einer Kindertagesstätte. Verdient hat sie in all diesen Jahren monatlich zwischen 860 und 1.400 Euro brutto.

Bleibt ihr Einkommen so, dann wird sie selbst bei Vollzeit bis zum 67. Lebensjahr nur 540 Euro Rente bekommen. „Ich rechne damit, auch mit 80 Jahren noch Geld verdienen zu müssen“, sagt Friederike Schwardt. So wie ihr wird es Millionen anderen Menschen ergehen.

Auf Deutschland rollt eine Welle der Altersarmut zu. Denn alle Regierungen des vergangenen Jahrzehnts haben das Rentenniveau drastisch gesenkt, die Rente erst ab 67 Jahren eingeführt und Beiträge zur Rentenversicherung für Langzeitarbeitslose gestrichen.

Hinzu kommt, dass niedrige Löhne zu niedrigen Renten führen. In den vergangenen Jahren ist der Niedriglohnsektor explodiert, vor allem Millionen Frauen schuften zu Dumpinglöhnen. Auch deswegen werden die jungen Menschen von heute die Armen von morgen sein, wenn es bei der aktuellen Rentenpolitik bleibt.

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