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Anstoß für »SV Rote Socken«

erschienen in Clara, Ausgabe 6,

Am 29. Oktober dieses Jahres fand im altehrwürdigen Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark in Berlin-Prenzlauer Berg ein Highlight der deutschen Fußballgeschichte statt: Die Roten Socken der Fraktion DIE LINKE im Deutschen Bundestag liefen gegen die Grünen Tulpen der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen auf. Auf Großfeld, unter Flutlicht, zweimal 45 Minuten.
Die Ausgangsposition: Die Grünen Tulpen sind ein eingespieltes Fußballteam, das regelmäßig trainiert. Der Verein Rote Socken hatte sich erst wenige Tage vor dem Spiel gegründet, noch nie ein gemeinsames Training absolviert und auch kein einziges Mal zusammen auf einem Spielfeld gestanden. Das Alter der linken Protagonisten lag zwischen Mitte 20 und jenseits der 50, die Kondition zwischen »Ich gehe jede Woche ins Fitnessstudio« und »Ich treibe überhaupt keinen Sport«, die Körpermaße bewegten sich zwischen S und XXL. Als die Mannschaft den Platz betrat, musste man unwillkürlich an Gysis legendäre Bunte Truppe denken.
Die Organisatoren des Spiels hatten sich auf gemischte Mannschaften geeinigt.
Die Grünen Tulpen verstärkten sich mit einer - sehr gut spielenden - jungen Frau, die Roten Socken liefen mit vier Frauen auf, darunter ein hoffnungsvolles junges Talent von 51 Jahren. Die Überzahl der linken Spielerinnen meinten die Grünen dadurch kompensieren zu können, dass ihre Fraktionsvorsitzende Renate Künast gemeinsam mit dem Bundestagsabgeordneten Jan Korte von der Linksfraktion den Anstoß des Spiels übernahm. Renate Künast verschwand dann allerdings recht bald, genauso wie die kleine Unterstützergruppe der Grünen Tulpen.

»Wir dürfen jetzt
nur nicht den Sand
in den Kopf stecken!«
Lothar Matthäus

Zurück blieb der fröhliche, unüberhörbare Fanblock der Roten Socken, der seine Mannschaft mit aufmunternden Zurufen wie »Ruben, du hast die Haare schön!« oder »Helge, quatsch den Gegner tot!« motivierte. Und als Reminiszenz an die aufregenden Wendetage ertönte bei jedem Freistoß auf das gegnerische Tor der Ruf: »Die Mauer muss weg!«
In der ersten Halbzeit war die grüne Mannschaft eindeutig überlegen, das Zusammenspiel - wen wundert es - deutlich besser. Die Roten Socken setzten eher auf Einzelleistung, die aber immer wieder glück- und damit torlos endete. So stand es zur Halbzeitpause 4:0 für die Grünen Tulpen.
In der zweiten Halbzeit fanden die Roten Socken sehr viel besser ins Spiel, und Olaf Schroers avancierte mit seinem Tor für die linke Fraktion bei Mannschaft und Publikum zum Matchwinner des Abends. Die Grünen konnten zwar zwei weitere Treffer für sich verbuchen, schwächelten aber konditionell doch erheblich. Wer weiß, was eine Spielverlängerung noch gebracht hätte.
So ging das Spiel 6:1 für die Grünen Tulpen aus. Der Abend hatte damit ein Team, das verdientermaßen gewonnen hat. Und einen Sieger der Herzen.
Nachtrag: Tanja Behrend musste nicht - wie befürchtet - nach dem Spiel im Sauerstoffzelt reanimiert werden. Sie hatte noch genügend Puste, um diesen Text zu schreiben.

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