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"Angst vor Verlust der Wohnung wächst"

erschienen in Klar, Ausgabe 28,

Mieten steigen, Wohnungen werden zu Spekulationsobjekten, Menschen haben Angst, aus ihrem Heim zu fliegen. Ein Gespräch mit Reiner Wild, Vorstandsmitglied des Deutschen Mieterbunds

Ist die Angst, die eigene Wohnung nicht halten zu können, eine gefühlte oder eine reale Bedrohung?

Reiner Wild: Die Angst vor dem Verlust der Wohnung wird größer. Es gibt einen deutlichen Anstieg der Mieten, auch in bestehenden Mietverhältnissen. Diese Entwicklung gibt es in  Ballungsgebieten, Universitätsstädten und Großstädten. Das Problem verstärkt sich bei jeder Neuvermietung. Wer eine Wohnung sucht oder suchen muss, weiß, dass er deutlich mehr ausgeben wird.

Sind das auch Forderungen, die Sie an die Politik richten?

Ja, neben spezifischen lokalen Gründen für eine Aufwertung von Quartieren sind die gesamten mietrechtlichen und Wohnungsmarkt-Rahmenbedingungen zu betrachten. Dazu zählt, dass man sich über die Mietpreisbildung Gedanken macht. Bislang sind die Mietpreise frei vereinbar bei einem neuen Vertragsabschluss. Wenn ein Markt eng ist, gehen die Preise wie eine Rakete nach oben. Auch die Mieterhöhungen in bestehenden Mietverhältnissen müssen beschränkt werden. Die Mietsteigerungsmöglichkeiten sind aus unserer Sicht zu hoch: 20 Prozent in drei Jahren sind ein kräftiger Schluck aus der Pulle. Die Miete darf in vier Jahren um nicht mehr als 15 Prozent angehoben werden.

Wen treffen steigende Mieten besonders?

Besonders betroffen sind die Mieterinnen und Mieter, die einen neuen Vertrag abschließen. Es sind aber auch Mieter betroffen, bei denen der Eigentümer eine umfassende Modernisierung durchführt. Oder solche, bei denen der Eigentümer Miet- in Eigentumswohnungen umwandelt. Grundsätzlich führt diese Entwicklung dazu, dass die Städte mehr in Arm und Reich geteilt werden, wobei die Armen an den Rand verdrängt werden.

Wie wirkt sich die Energiewende auf die Mieten aus?

Die Heiz- und Warmwasserkosten steigen enorm. Wir haben ausgerechnet, dass bei einem durchschnittlichen Energiekostenanstieg von jährlich 7,5 Prozent im Jahr 2038 die Heizkosten und Warmwasserkosten doppelt so hoch sein werden wie die Grundmiete. Die Frage ist, wer bezahlt den energetischen Umbau? Selbst wenn die öffentlichen Fördermittel deutlich erhöht werden, darf die Sanierung nur in sehr behutsamen Schritten vorgenommen werden, um es sozial verträglich zu gestalten. Sonst gibt es eine Überforderung der Mieter.

 

Interview: Sophie Freikamp

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