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»Angst um den Arbeitsplatz«

erschienen in Klar, Ausgabe 10,

Interview mit Rita Wittmann

Rita Wittmann ist ver.di-Sekretärin und verantwortlich für den Handel im Bezirk Mittelfranken.

Bei Ihnen in Bayern gibt es in nicht einmal 10 Prozent der Discounter-Filialen Betriebsräte, bei KiK, Lidl, Aldi und Norma nur ganz vereinzelt. Was ist der Grund?

Rita Wittmann: Bundesweit arbeiten rund 2,7 Millionen Menschen, vor allem Frauen im Einzelhandel. Aber zu wenige sind bei ver.di organisiert. Viele Kolleginnen verfügen nur über befristete, Teilzeit- oder 400-Euro-Verträge. Sie haben ständig Angst um ihren Arbeitsplatz.

Wie tauschen sich die Kolleginnen in einer Filiale überhaupt aus angesichts solcher Arbeitszeiten?

Das ist schwierig. Gespräche zwischen Kolleginnen sind oft nur zwischen Tür und Angel möglich. Gemeinsame Pause gibt es kaum. So wird verhindert, dass die Kolleginnen Probleme besprechen und zusammen dagegen vorgehen.

Welchen Vorteil haben Belegschaften durch einen Betriebsrat?

Der Betriebsrat muss informiert werden, wenn eine Filiale geschlossen oder verlegt werden soll, und er kann Gegenmaßnahmen ergreifen. Er entscheidet auch über die Lage und Verteilung von Arbeitszeiten mit. Das Unternehmen kann zum Beispiel niemanden zwingen, an einem Tag morgens zwei Stunden, nachmittags zwei Stunden und spät abends weitere zwei Stunden zu arbeiten. Und in den Filialen darf nur gefilmt werden, wenn der Betriebsrat zustimmt.

Wie reagieren die Unternehmen, wenn Beschäftigte trotz aller Widerstände einen Betriebsrat wählen wollen?

Wo möglich, versuchen sie es zu verhindern. Gelingt dies nicht, beobachten wir immer häufiger, dass sie gezielt Leute ansprechen, die sie für unternehmensnah halten, damit diese dann für den Betriebsrat kandidieren.

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