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343 gute Gründe für Jean-Claude Juncker

erschienen in Clara, Ausgabe 34,

Der Luxemburger ist als EU-Kommissionspräsident eine Idealbesetzung. Eine Glosse.

Es gibt Zweifel an Jean-Claude Juncker. Da stand wohl neulich etwas in der Zeitung. Deshalb heißt es nun, man könne ihm nicht mehr vertrauen. So einer sei untragbar als EU-Kommissionspräsident. Unfug! Das Gegenteil ist der Fall. Es gibt keinen besseren, und zwar deshalb:   Erfahren Juncker wirkte 24 Jahre lang als Finanz- und Premierminister Luxemburgs. Unter seiner Schirmherrschaft hat dieser kleine, oft unterschätzte Staat – nach bisheriger Zählung – 343 ausländischen Unternehmen dabei geholfen, Ausgaben in sagenhafter Höhe zu vermeiden. Die Firmen konnten dadurch besser im gnadenlosen globalen Wettstreit um beste Gewinnmargen und das höchste Vorstandsgehalt bestehen.    Sozial Ohne das von Juncker weitsichtig betreute Modell hätten die Unternehmen – um ihre Kosten zu senken – Angestellte entlassen müssen. Getroffen hätte es wieder einmal die alleinstehenden Mütter, Familienväter und Kleintierhalter. Auch Mitarbeiter der Deutschen Bank, von E.ON und Fresenius wurden so vor dem Sturz ins Nichts bewahrt. Deutschland sollte Jean-Claude Juncker also nicht verdammen, sondern preisen.   Umweltbewusst Es ist eine großartige ökologische Leistung, dass Weltkonzerne wie Apple, Amazon, FedEx oder Procter & Gamble auf einem winzigen und überdies recht hügeligen Territorium Hunderte von Milliarden Euro an Gewinnen, nun ja, erwirtschaften, ohne dass es dabei zu den üblichen unschönen Begleiterscheinungen erfolgreicher ökonomischer Tätigkeit kommt: keine hässlichen Gewerbegebiete, kein Sondermüll, keine Feierabendstaus. Das Einzige, was beim Juncker-Modell anfällt, ist etwas Papierkram. Ein Vorbild für die ganze EU.   Geschäftig Wo stünde die metallverarbeitende Industrie ohne Junckers Politik? Luxemburg ist heute ein Großabnehmer hochwertiger Briefkästen und Namensschilder. Das Land verbraucht mehr Postwurfbehälter pro Einwohner als jeder andere EU-Staat – was im Zeitalter von E-Mail und Twitter gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Auch deutsche Mittelständler dürften davon profitieren.   Friedfertig Was oft für selbstverständlich gehalten wird: Luxemburg ist ein prosperierendes, friedliches Gemeinwesen. In der Amtszeit Jean-Claude Junckers gab es dort weder Hungerunruhen noch prorussischen Separatismus oder IS-Terror, nicht einmal Abspaltungsbestrebungen eines der drei Distrikte. Gräueltaten eines Claus Weselsky wären dort undenkbar. Der UN-Sicherheitsrat musste sich noch nie mit Luxemburg beschäftigen. Von diesem Land geht keine Gefahr für den Weltfrieden aus.   Großherzig Als politisch Verantwortlicher hat sich Juncker bleibende Verdienste um die Haushaltsdisziplin in anderen EU-Staaten erworben: Steuern, die etwa in Deutschland oder Frankreich vermieden werden, kann man dort auch nicht verschwenden. Weil es von Natur aus besser mit Geld umgehen kann, nimmt Luxemburg einen Teil dieser Beträge auf sich. Das ist gelebte europäische Solidarität und Grund genug, das Land endlich zum „Großherzigtum“ zu erklären.    Gesetzestreu Der gewöhnliche EU-Insasse scheut keine Mühe, um seine Abgabenlast zu senken. Er beschäftigt Steuerberater, kauft Computerprogramme, sammelt Kassenbons und fälscht Fahrtenbücher. Manche Bürger machen dabei Fehler und müssen mitunter sogar ins Gefängnis. Das würde Jean-Claude Juncker nie passieren. Bei ihm kommt man zwar mit einem Prozent Steuern auf den Betriebsgewinn vom Hof, aber der Staat kann nichts machen. Darum haben Sparfüchse den angekündigten Bestseller längst vorbestellt: „Der große Juncker. 1 000 ganz legale Steuertricks.“

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