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Trotz Vogelgrippe - Seehofer will veterinärepidemiologischen Kompetenzstandort Wusterhausen schließen

Pressemitteilung von Kirsten Tackmann,

In einem Brief an Bundesminister Horst Seehofer hatte sich Kirsten Tackmann, agrarpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE. für den Erhalt des Instituts für Epidemiologie des Friedrich-Löffler-Instituts (FLI) am Standort Wusterhausen ausgesprochen. In der Antwort des Ministers heißt es nun, dass eine Bündelung aller Kräfte des FLI an einem Standort notwendig sei. "Dieser Standort - abgesehen von Jena, dem Zentrum für bakterielle Tierkrankheiten und Zoonosen - kann nur die Insel Riems sein." Dazu erklärt MdB Kirsten Tackmann:

Es erstaunt mich sehr, dass Minister Seehofer ohne jede weitere eigene Prüfung eine so wichtige Entscheidung fällen und an einem Umzugsbeschluss aus dem Jahre 1996 festhalten will. Das war die Zeit vor BSE und Geflügelpest. Der dringende Bedarf einer veterinärepidemiologischen Forschungseinrichtung ist seitdem offensichtlicher denn je.

Deshalb wäre es klüger, sich ernsthafte Gedanken zu einer fachlichen Veterinärepidemiologie-Konzeption in Deutschland zu machen, statt den einzigen Standort zur Disposition zu stellen, der sich ausschließlich mit diesen Fragen beschäftigt. Sämtliche Risikobewertungen und Lageberichte zur Vogelgrippe wurden als originäre Aufgaben der Veterinärepidemiologie federführend in Wusterhausen bearbeitet. Dennoch greift Minister Seehofer zu Antworten, die schon 1996 fachlich und finanziell fragwürdig waren. Um es klar zu sagen: Es ging 1996 vor allem um den Abbau von Arbeitsplätzen im Ressortforschungsbereich des Ministeriums, der ohne Standortschließungen in einer so kurzen Zeit nicht realisierbar gewesen wäre, aber unterdessen längst umgesetzt ist.

Minister Seehofer riskiert mit seiner Entscheidung sehr viel: den Verlust des einzigen veterinärepidemiologischen Kompetenzzentrums der Bundesrepublik. Es ist mehr als fraglich, welche personellen, insbesondere wissenschaftlichen Ressourcen bis zu einem Umzug nach 2010 tatsächlich noch verfügbar sein würden. Denn ein Umzug zur Insel Riems ist nur für wenige der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine tatsächliche Alternative. Erst Recht, weil die derzeitigen Bauplanungen auf Riems nicht erkennen lassen, dass dort ein Institut für Epidemiologie überhaupt vorgesehen ist.

Daher stellt sich nicht die Frage eines Umzugs, sondern ob veterinärepidemiologische Kompetenz zur Beratung der Bundesregierung erhalten bleibt. Deshalb fordere ich ihn auf, auf dieses völlig falsche politische Signal zu verzichten, erst Recht vor dem Hintergrund der gerade laufenden Haushaltsverhandlungen, in denen die Forschung zum Schwerpunktthema der Koalition gemacht wird. Die Landesregierung Brandenburgs muss ihren Worten nun Taten folgen lassen, um das Institut für Epidemiologie - möglichst in Wusterhausen - zu erhalten.

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