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Rütli-Schule stellt dem deutschen Bildungssystem ein Armutszeugnis aus

Pressemitteilung von Sevim Dagdelen,

Zur Debatte um den Hilferuf der Rütli-Schule in Berlin-Neukölln an den Berliner Schulsenator Böger, die Hauptschule perspektivisch zugunsten einer neuen Schulform mit neuer Zusammensetzung aufzulösen, erklärt die migrations- und integrationspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE., Sevim Dagdelen:

Die Situation an der Rütli-Schule spiegelt die Defizite des deutschen Bildungssystems wider. Dieselben Politiker, die vor kurzer Zeit angesichts der Ergebnisse der 2. PISA-Studie dem deutschen Bildungssystem Chancenungleichheit bescheinigten und Besserung versprachen, haben nach dem Hilferuf der Rütli-Schule ihre Sündenböcke in den Schülern ausgemacht. Will man ihnen Glauben schenken, können diese unerziehbaren Jugendlichen aus verantwortungslosen Migrantenfamilien nur mit hartem Durchgreifen und Polizeigewalt zur Räson gebracht werden. Die Jugendlichen, bei denen dieses Vorgehen keine Früchte trägt, sollen abgeschoben werden. Zurückbleiben werden dennoch die Chancenungleichheit im deutschen Bildungswesen und die daraus resultierenden Probleme.

Ich plädiere für eine Versachlichung der Debatte. Heute besucht fast jeder zweite Schüler mit Migrationshintergrund die Hauptschule, während der Anteil der Hauptschüler bei den Deutschen unter 20 Prozent liegt. Der Anteil der Schüler mit Migrationshintergrund, die die Schule ohne Abschluss verlassen, ist mit knapp 20 Prozent dreimal höher als bei Deutschen. Wie der Bildungsexperte der UN-Menschenrechtskommission Vernor Muñoz bereits festgestellt hat, muss das deutsche Bildungssystem hinterfragt und die Chancenungerechtigkeit beseitigt werden, um das Menschenrecht auf Bildung zu gewährleisten.

Nur wenn wir gleiche Zugangschancen zur Bildung für alle sicherstellen und Jugendlichen eine echte Perspektive für ihre Zukunft bieten, können wir bestehende Probleme tatsächlich lösen. Diese Maßnahmen müssen flankiert werden von einer kommunalen Wohnungsbaupolitik, mit der Stadtteile wie Neukölln für alle attraktiv bleiben und eine 80prozentige Konzentration von Schülern mit Migratiosnhintergrund an Schulen wie der Rütli-Schule vermieden werden kann. Amerikanische Verhältnisse an Schulen wünscht sich keiner.

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