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Rituale aus der Mottenkiste des Militarismus

Pressemitteilung von Ulla Jelpke,

Zur Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Fraktion DIE LINKE. zu „Militäraufmärsche in der Öffentlichkeit“ (BT-Drs. 16/5022) erklärt die innenpolitische Sprecherin der Fraktion, Ulla Jelpke:

Die Bundeswehr überzieht auch in diesem Jahr die Öffentlichkeit mit Militäraufmärschen. Mit 14 Großen Zapfenstreichen und 133 Gelöbnissen will sie nur knapp unter ihrem Vorjahresergebnis bleiben (20 Zapfenstreiche, 141 Gelöbnisse). Hinzu kommen noch militärische Ehrengeleite bei Beerdigungen, häufig für Wehrmachtsgeneräle (im vergangenen Jahr 300).

Zapfenstreiche, öffentliche Gelöbnisse, Appelle, Kommandoübergaben und dergleichen mehr sind Rituale aus der Mottenkiste des Militarismus. Im vergangenen Jahr hat die Regierung über 330.000 Euro dafür springen lassen. Dabei stach der Zapfenstreich am 12. Oktober in Dresden mit über 30.000 Euro deutlich heraus.

Da nimmt sich die Behauptung der Bundesregierung lächerlich aus, sie habe „angesichts der Übermaßes und des Missbrauchs der Symbolik und des Zeremoniellen im Dritten Reich“ nur wenige Zeremonien aus der Vergangenheit übernommen. „Der Ablauf der jeweiligen Zeremonielle ist bewusst schlicht gehalten“, heißt es weiter. Das ist Quatsch!

Der Große Zapfenstreich stammt aus den Zeiten preußischer Militärherrlichkeit, als es noch hieß: „Gegen Demokraten helfen nur Soldaten.“ Was soll daran traditionswürdig sein? Dass Rekrutenvereidigungen flächendeckend außerhalb von Kasernen stattfinden, dass sie keine "schlichten Zeremonien" sind, sondern mit Pauken und Trompeten aufgeladen - das ist eine Innovation der Nationalsozialisten, die von der Bundeswehr übernommen wurde.

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