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Geburtsfehler der Exzellenzinitiative fortgeschrieben

Pressemitteilung von Petra Sitte,

Zum heute von Deutscher Forschungsgemeinschaft (DFG) und Wissenschaftsrat bekannt gegebenen Vorentscheid in der Zweiten Runde der Exzellenzinitiative erklärt die stellvertretende Vorsitzende und forschungs- und technologiepolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE., Petra Sitte:

Der Anteil der Geisteswissenschaften, die sich um eine Förderlinie bei der Exzellenzinitiative beworben haben, ist erfreulicherweise gestiegen und macht nun gut ein Viertel der Anträge aus. Aber DFG und Wissenschaftsrat haben das Verfahren und die Kriterien im Vergleich zur ersten Runde nicht verändert. So wurde auch der Kritikpunkt - die Unterrepräsentanz der Geisteswissenschaften - nicht aufgegriffen. Diese waren wegen der auf die Naturwissenschaften zugeschnittenen Auswahlkriterien wie „Originalität“ oder „Innovation“ benachteiligt. Dies hat die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) ebenfalls kritisiert.

Gleichzeitig führen die Kriterien zu einer Benachteiligung von Frauen. Ihr Anteil ist in den Geistes- und Sozialwissenschaften deutlich höher als in den Ingenieur- und Naturwissenschaften. DIE LINKE. fordert deshalb, die Kriterien den unterschiedlichen Kulturen in den Fächergruppen anzupassen und nicht Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Alternativ wäre eine Fächerquote ein geeignetes Instrument, um der mittelbaren Ungleichbehandlung entgegenzuwirken.

Unabhängig davon bleibt die Fraktion DIE LINKE. bei ihrer Grundkritik an der Exzellenzinitiative: Diese zielt auf die Herstellung von Ungleichheit ab. Die Republik teilt sich zukünftig in wenige gut ausgestattete Forschungsuniversitäten und „Rest-Hochschulen“ als Ausbildungsanstalten. Der Vorzug des deutschen Wissenschaftssystems - die Einheit von Forschung und Lehre - wird aufgegeben. Bestehende Unterschiede in den Ausgangsvoraussetzungen der Bundesländer werden vertieft und Anträge zugunsten finanzstarker Universitäten in finanzstarken Bundesländern entschieden. Insbesondere die nord- und ostdeutschen Länder werden bereits durch die Anlage des Exzellenzwettbewerbs benachteiligt. So zeigt auch der Vorentscheid für die zweite Runde, dass außer Berlin keine Ost- oder Nord-Universität in der sogenannten Förderlinie Eliteuniversitäten vertreten ist.

Diese Veränderungen werden insgesamt die deutsche Wissenslandschaft nicht stärken. Ein Qualitätsverfall auf breiter Ebene steht zu erwarten, Offenheit im Denken fällt dem Ranking zum Opfer. Statt 1,9 Milliarden in die Exzellenzinitiative zu stecken, sollte das Geld angesichts steigender Studierendenzahlen lieber für den Hochschulpakt 2020 verwendet werden. Nur die Förderung in der Breite bringt am Ende auch Spitze hervor.

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