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Das Familienbild der Union stinkt zum Himmel

Pressemitteilung von Jörn Wunderlich,

Zur anhaltenden Debatte um einen Ausbau der Kinderbetreuung erklärt der familienpolitische Sprecher der Fraktion DIE LINKE., Jörn Wunderlich:

Ich möchte Ministerin von der Leyen darin bestärken, sich weiter für den Ausbau der Kinderbetreuung einzusetzen. Dass ihr Vorschlag derart umstritten ist, bringt die Bigotterie und Verlogenheit vieler angeblicher "Familienpolitiker" ans Licht. Wer sich hier als Anwalt der Familien oder gar der Frauen aufspielt, möchte in Wahrheit nur darüber hinwegtäuschen, dass er zu den ewig Gestrigen gehört. Um die Wünsche der Menschen geht es jedenfalls nicht.

Die Empörung bei CDU/CSU und konservativen Verbänden über den Ausbau der Kinderbetreuung ist deshalb so groß, weil man sich in diesen Kreisen nicht von einer völlig überholten Familienideologie verabschieden will, die Männern alle Freiheiten gestattet und Frauen an Haus, Herd und Kind bindet. Dieses konservative Familienbild stinkt zum Himmel und gehört entsorgt.

Angesichts der völlig unzureichenden öffentlichen Infrastruktur für Kinderbetreuung mit dem Argument der „Wahlfreiheit“ gegen deren Ausbau zu votieren, ist aus sozialpolitischer Sicht eine Unverschämtheit, wenn man bedenkt, wer auf diese Infrastruktur angewiesen ist. Die Traditionalisten in der Union outen sich damit als soziale Ignoranten, die auf Kosten einkommensschwacher Teile der Bevölkerung ihre gut betuchte Wählerklientel pflegen.

Der Vorschlag des Deutschen Familienverbandes, das Geld für den Ausbau der Kinderbetreuung im zweiten und dritten Lebensjahr des Kindes direkt an die Eltern auszuzahlen, bietet da keinen Ausweg. Wenn der Staat den Eltern das Geld in die Hand gibt ist ihnen auch nicht geholfen, wenn es keine Betreuungseinrichtungen gibt. Die Vorstellung, dass der Markt die Angebote dann in entsprechender Qualität hervorbringt, ist nicht nur lächerlich, sondern auch gefährlich, da dann die öffentliche Aufgabe der Kinderbetreuung und Bildung in die Hand des privaten Marktes gegeben wird. Internationale Erfahrungen zeigen: Am besten ist es, wenn der Staat die Betreuungsinfrastruktur finanziert und ihre Qualität absichert. In einem Ausbau des öffentlichen Sektors in diesem Bereich liegen außerdem große Chancen für Wachstum und Beschäftigung, von der Notwendigkeit einer Frühförderung von Kindern unter Bildungsaspekten mal ganz zu schweigen. DIE LINKE. fordert deshalb schon lange einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für jedes Kind ab der Geburt.