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Wertvolle Computerspiele fördern, Medienkompetenz stärken

Rede von Lothar Bisky,

Lothar Bisky zu einer möglichen Förderung der Computerspielbranche und den Arbeitsbedingungen von Entwicklerinnen und Entwicklern.

Sehr geehrter Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen,

im Antrag der Koalition wird zutreffend festgestellt, dass Computerspiele eine hohe kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung haben. Es ist grundsätzlich richtig, diese Entwicklung weiter zu fördern. Auch die Schaffung zusätzlicher Anreize wie zum Beispiel die Auslobung eines "Deutschen Computerspielpreis" kann richtig sein. Allerdings werden wichtige Probleme verkannt und so stößt Ihre momentane Konzeption, meine Damen und Herren von der Koalition, auf meine Bedenken. Warum? Nun, Medienförderungsmodelle nach dem Muster der gegenwärtig praktizierten Filmförderung lehnt DIE LINKE ab. Das Beispiel dieser Medienförderungsmodelle zeigt, dass eine Förderung nach künstlerischen Kriterien heute kaum noch stattfindet. Und es zeigt zum einen, dass die Förderung immer mehr den bereits Erfolgreichen zu Gute kommt. Zum anderen ist die Rückführung öffentlicher Förderungsgelder bei marktgängigen Filmen durch ein ausgeklügeltes System von Verleihgarantien und Rückführungsquoten oft ausgeschlossen. Das halten wir nicht für sinnvoll.

Förderungswürdig jedoch erscheint uns die Einrichtung von Studiengängen für Game Design und Spieleentwicklung an öffentlichen Hochschulen. Bislang sind solche in Deutschland nur an wenigen privaten - und somit teuren - Studieneinrichtungen zu finden.

Meine Damen und Herren,
wenn Sie sowohl erfolgreiche Computerspiele als auch qualitativ hochwertige Pro-dukte wollen, sollten Sie bedenken, dass die meisten international erfolgreichen Computerspiele in das Genre der so genannten "Killerspiele" fallen. DIE LINKE lehnt einen prohibitiven Umgang mit gewalthaltigen Computerspielen ab. Wir wenden uns ausdrücklich gegen die immer noch vorhandene Diffamierung großer Teile der Entwicklerbranche und Hunderttausender von Nutzerinnen und Nutzer so genannter Killerspiele. Dass mir persönlich solche Killerspiele mehr als fremd sind, will ich dabei nicht verhehlen. Und zu einem humanistischen und solidarischen Menschenbild tragen sie mit Sicherheit nicht bei. Dennoch gilt: Die Freiheit von Kunst und Kultur ist ein hohes Gut.

Liebe Kollegen und Kollegen von der Koalition, wenn man Ihren Antrag liest, dann fällt auf, dass Sie auf die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten in der Entwicklung, der Programmierung, des Designs, des Testens und der Promotion von Computerspielen mit keinem Wort eingehen. Dabei gibt es für die Beschäftigen reichlich Probleme, auf die ich hinweisen möchte, wie zum Beispiel:

- Keine oder nur eine geringe soziale Absicherung,
- prekäre Beschäftigung,
- Arbeitszeiten von bis zu 14 Stunden täglich und
- keinen Freizeitausgleich für Überstunden.

Die Regelungen des Arbeitszeitgesetzes, des Arbeitsschutzes und ein sozial verantwortlicher Umgang mit den Beschäftigten sind in dieser Branche seit vielen Jahren außer Kraft gesetzt. Wenn Sie, meine Damen und Herren, eine stärkere Förderung der Computerspiele-Entwicklung wollen, müssen Sie diese mit einer Sicherung der arbeitsrechtlichen Mindeststandards zwingend verknüpfen.

Die Forderung nach „Guter Arbeit“ gilt auch für Entwickler und Entwicklerinnen von Computerspielen. Und darum schlage ich Ihnen vor, künftig ein „Fair Work-Siegel“ für Computerspiele zu verleihen, also etwas wie einen Umwelt-TÜV für Arbeitsbedingungen. Durch unabhängige Kontrollen und die Einrichtung einer unabhängigen Beschwerde-Hotline sollen so wenigstens die Mindeststandards der Rechte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und der frei Beschäftigten gesichert werden. Bei der Auslobung des Computerspiel-Preises und als Bedingung für den Erhalt weiterer Fördermittel muss das Siegel als entscheidendes Kriterium mit aufgenommen werden.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, Sie haben es in Ihrem Antrag verpasst, die weitere zukünftige finanzielle Förderung der Branche mit einer Verbesserung der Beschäfti-gungssituation zu verknüpfen.

Das aber scheint mir außerordentlich wichtig zu sein.