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Grundschleppnetzfischerei verbieten!

Rede von Eva Bulling-Schröter,

Die Linksfraktion unterstützt ein UN-Moratorium für die Grundschleppnetzfischerei auf Hoher See.

Eva Bulling-Schröter, umweltpolitische Sprecherin der Fraktion sagte dazu: "Bei dieser zerstörerischen Art der Industriefischerei werden riesige Netze mit Ketten und Scherbrettern in Tiefen von bis zu 2000 Metern über den Ozeanboden gezogen und zerstören beim Umpflügen des Grundes sämtliche Biotope. Sie gehört schnellstens verboten."

Der Antrag der Grünen ist klar und gut begründet. Die Rumeierei der Koalition und FDP dagegen kleinlich und peinlich.
Dass die Grundschleppnetzfischerei auf hoher See extremer Raubbau an der Meeresumwelt ist, sollte sich langsam herumgesprochen haben. Hier als Gegenargument anzuführen - wie es die Koalition im Ausschuss tat -, dass es einzelne Gebiete gäbe, in denen das rücksichtslose Umpflügen des Meeresbodens angeblich nicht ganz so schädlich sein soll, ist grotesk. Die Argumentation lässt jegliche Kenntnis für die Funktion von Ökosystemen und die Vollzugsprobleme internationaler Schutzvereinbarungen vermissen.
Würde etwa von der Koalition jemand auf die Idee kommen, innerhalb von CITES den internationalen Handel mit Elfenbein wieder freigeben zu wollen, bloß weil in Botswana oder Kamerun gelegentlich Elefanten aus zu groß gewordenen Herden abgeschossen werden müssen? Natürlich nicht. Schließlich würde mit der Handelsfreigabe der profitable internationale Markt für Elfenbein wieder aufgemacht. Der Wilderei in ganz Afrika und Asien wäre erneut Tür und Tor geöffnet.
Angesichts dieser zwingenden Logik überrascht die Naivität von CDU/CSU, SPD und Liberalen: Selbst wenn es tatsächlich einige Meeresgebiete gäbe, in denen der Ozeangrund biologisch vergleichsweise wenig vielfältig sein würde - wer seine industriellen Fangschiffe mit teuren Grundschleppnetzsystemen ausrüstet, der wird auf hoher See alles umpflügen, was unter den Kiel kommt. Die globale Wilderei in der Tiefsee muss deshalb im Keim erstickt werden, indem jegliche Grundschleppnetzfischerei verboten wird. Das gilt umso mehr, als in der Regel in Tiefen von 1 000 bis 2 000 Metern gefischt wird, in denen die dort lebenden Fischarten sehr langsam wachsen und erst spät fortpflanzungsfähig sind. Letztlich muss man sich auch vor Augen halten, dass die Flucht auf den Grund der Tiefsee eine Folge der Überfischung in den herkömmlichen Fanggebieten und Fangtiefen ist. Wollen wir aber tatsächlich zulassen, dass nun unsere Ozeane Schicht für Schicht biologisch ausradiert werden, für immer vernichtet werden, bevor sie überhaupt erforscht werden konnten? Am besten noch für die Gammelfischerei, deren Millionen Tonnen Fänge an wertvollen Meerestieren in den Mägen von Rindern, Schweinen und Hühnern in industrieller Haltung landen?
Die Grundschleppnetzfischerei ist nichts weiter als eine weitere Umdrehung in der verhängnisvollen Spirale nicht nachhaltiger Fischerei. Angetrieben wird sie von den großen Industrienationen und profitgierigen Fischerei- und Lebensmittelkonzernen, auch von denen hierzulande. Wir sind zwar keine Fischereination, dafür aber einer der größten Konsumenten von Meeresfischen weltweit. Darum hat die Bundesrepublik eine besondere Verantwortung in dieser Frage.
Als ersten Schritt muss Deutschland deshalb mithelfen, zunächst ein weltweites Moratorium der Grundschleppnetzfischerei auf der hohen See durchsetzen. Am Ende sollte ein globales Verbot dieser Fangtechnik stehen.
Parallel ist noch ein weiteres Feld zu beackern: Die Bundesregierung muss in Brüssel unbedingt dafür sorgen, dass der Entwurf der EU-Meeresschutzrichtlinie zurückgezogen und neu geschrieben wird. Auch der Sachverständigenrat für Umweltfragen und die Umweltverbände halten dieses Papier für eine vollkommene Fehlleistung der EU-Bürokratie. Eine nachhaltige Meeresschutzpolitik ist damit unmöglich zu organisieren. Die Verantwortung für den Meeresschutz zurück auf die Ebene der Mitgliedsländer zu verlagern und gleichzeitig die gemeinsame Fischerei- und Agrarpolitik ausgerechnet beim Meeresschutz außen vor zu lassen, ist absurd. Sorgen wir darum dafür, dass die Weichen auch hier schnellstmöglich umgestellt werden!