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Erinnerungskultur: Freiheits- und Einheitsdenkmal

Rede von Lukrezia Jochimsen,

Guten Morgen, Freiheits- und Einheitsdenkmal!

Nun wird es ernst. Als Zusatzpunkt zur nächtlichen Tagesordnung wird nun Deutschlands wichtigstes Denkmal der Jetztzeit auf Deutschlands wichtigstem Platz, dem Schlossplatz, und auf Deutschlands teuerstem Sockel, der zehn Millionen Euro - Erhebung, auf der früher Kaiser Wilhelm I. stand, gesetzlich fundiert und finanziert.

Die Koalitionsparteien und die FDP haben das so beschlossen.
Ein Konstrukt, das an die friedliche Revolution im Herbst 1989 einerseits und andererseits an die Wiedererlangung der Deutschen Einheit 1990 erinnern - und zudem noch „eingebettet“ werden soll in die Deutsche Freiheits- und Einheitsgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts.

Wer die friedliche Revolution im Herbst 1989 mit der Wiedergewinnung der staatlichen Einheit Deutschlands 1990 in eins setzt, wird diesem Erbe nicht gerecht, weil beide Vorgänge zwei Stufen eines komplexen internationalen, historischen Prozesses darstellen, die nicht unmittelbar aufeinander bezogen werden können. Diese Revolution mit dem Ruf „Wir sind das Volk“ ist singulär in der deutschen Geschichte, so dass sie erst recht nicht mit den freiheitlichen Bewegungen und Einheitsbestrebungen der vergangenen Jahrhunderte vermengt werden kann.

Ich habe schon einmal festgestellt, dass dieses Vorhaben einer Verwischtechnik entspricht, die alles Mögliche zusammenbringen will, ohne zu fragen, ob das überhaupt geht. Aber das macht nix - die Hauptsache: wir bekommen ein Denkmal in Berlin - Kostenpunkt mit Sockel: 15 Millionen Euro, das nenne ich dreiste Verschwendung in schwerer Zeit.

Und dann „würdigen wir gemeinsam mit dem Land Sachsen und der Stadt Leipzig den Beitrag der Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt zur friedlichen Revolution auf angemessene und sichtbare Weise.“ Da kann man sehr gespannt sein, wie dies wohl geht: fern wirkend oder virtuell oder mit Hinweisschildern und lieber doch nur verbal.

Die Fraktion DIE LINKE hat ein Erinnern an Leipzig in Leipzig vorgeschlagen:

Erinnern an diejenigen, die oft unter großer persönlicher Gefahr Demokratie und Freiheit in der DDR einforderten, Erinnern an die Abertausend Bürger und Bürgerinnen in Leipzig, die demonstriert, protestiert, geredet und andere überzeugt haben, Erinnern an diejenigen, die in den Kasernen und Polizeiwachen geblieben sind und dafür gesorgt haben, dass die Demokratie ohne Blutvergießen begann. Und da aus unserer Sicht eine solche unblutige Revolution keinen herkömmlichen Denkmalkult erlaubt, möchten wir in Leipzig ein DENKZEICHEN zusammen mit einem „Ort der Information“ und einem „aktiven Museum“ errichtet sehen, welches den Nachgeborenen die grundsätzliche Auseinandersetzung mit der Idee der Freiheit eröffnet.

Vergeblich bisher. Vielleicht wird eines Tages dennoch dieser Vorschlag aufgenommen. Nach ausführlicher, groß angelegter Diskussion im ganzen Land.

Das wäre dann wirklich etwas anderes als diese klandestine Vollzugsnummer heute am frühen Morgen, der wir entschieden unsere Zustimmung verweigern.