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DIE LINKE will Agroforstsysteme und Kurzumtriebsplantagen fördern.

Rede von Kirsten Tackmann,

Antrag der FDP-Fraktion ”Effiziente und ökologische Energie- und Wertholzproduktion in Agroforstsystemen ermöglichen - Ökologische Vorteilswirkungen von Agroforstsystemen erforschen”, Drucksachen 16/8409 & 16/12516, TOP 33, Rede zu Protokoll

Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen, DIE LINKE will einen beschleunigten Ausstieg aus der gefährlichen Atomenergie. Auch die Verstromung von Kohle muss zum Schutz des Klimas schnellstmöglich beendet werden. Dann steht die Frage, woher soll denn unsere Energie kommen, wie Versorgungssicherung aussehen? Dazu schlägt DIE LINKE einen dezentral erzeugten Mix erneuerbarer Energien vor. Ein nicht unwesentlicher Teil davon kann aus einer nachhaltig produzierten, regional erzeugten und genutzten Biomasse kommen. Dabei muss diese Energie nicht nur vom Acker aus Mais- oder Rapsmonokulturen stammen. Im Gegenteil. Bäume sind zum Beispiel eine sehr gute Alternative. Kurzumtriebsplantagen - kurz KUP - bieten eine Möglichkeit, auf landwirtschaftlichen Flächen innerhalb von 3-5 Jahren Holz-Biomasse zur Energiegewinnung zu erzeugen. Dabei werden vor allem schnell wachsende Baumarten, wie zum Beispiel Pappeln, verwandt. Eine solche Anlage bietet einige Vorteile: Der Boden wird nicht so oft gestört - zum Beispiel durch das Pflügen - wie bei einem Acker. Er ist auch im Winter besser geschützt, da im Gegensatz zu den meisten Äckern die KUP ja auch zur kalten Jahreszeit mit Pflanzen bedeckt ist. Dadurch kann die Winderosion, bei welcher wertvoller Boden verweht würde, verringert werden. Aber KUP bieten nicht nur Vorteile. Natürlich können auch hierbei strukturlose Monokulturen entstehen, welche - ähnlich wie beim Mais - Artenarmut und Schädlingsbefall zur Folge haben können. Für DIE LINKE gehört deshalb zu einer sinnvollen energetischen Nutzung von KUP ihre harmonische und standortangepasste Einbettung in die Landschaft. Im Hinblick auf die ökologischen Leistungen von KUP sollten keine großflächigen Monokulturen entstehen. Die bereits von einem großen Energiekonzern angekündigten 20.000 Hektar KUP sind durchaus zu begrüßen, wenn sie zur Sicherung sozialer und ökologischer Effekte regional verteilt werden und die erzeugte Biomasse regional verarbeitet wird. Ob dies ein großer Energiekonzern, der vor allem auf zentrale Großkraftwerke fixiert ist und allein ökonomische Interessen hat, schafft, kann zumindest bezweifelt werden. DIE LINKE wird das deshalb kritisch begleiten. Doch für uns ist Agroforst mehr, als nur KUP! Agroforstwirtschaft sind viele Landnutzungsformen, bei welchen Bäume oder Sträucher auf landwirtschaftlicher Nutzfläche angebaut werden. Räumliche Mischung von Acker- und Holzkulturen oder verschiedene zeitliche Abfolgen können dabei ökologisch und für das Landschaftsbild sehr sinnvoll kombiniert werden. Das sind im Vergleich zu KUP die ökologisch sogar interessanteren Anwendungen, vor allem in touristischen Gebieten. Weitere Agroforstsysteme sind z.B. Streuobstwiesen zur Obstproduktion, Wertholzplantagen auf dem Getreideacker oder Hudewälder zur Weidehaltung. Trotz all´ dieser aufgezeigten Vorteile, kommt die Agroforstwirtschaft in unserem Land und in Europa insgesamt nicht voran. In Frankreich haben wir uns bei einer Ausschussreise interessante Ansätze angesehen, bei denen aber offen ist, ob sie über das Projektstadium hinauskommen werden. In England sind solche interessanten Ansätze ins Stocken geraten. Was steht im Wege und verhindert diese ökologisch sinnvollen Überlegungen für die Energiewirtschaft? Erstens die schwarz-rosa Koalition, zweitens das nicht novellierte Bundeswaldgesetz und drittens die in Europa ca. 100 Jahre alte Überzeugung, Land- und Forstwirtschaft müsse immer räumlich getrennt betrieben werden. Das erste Problem wird sich vielleicht nach der Bundestagswahl ändern - ob es besser wird, bleibt abzuwarten. Zur Lösung des zweiten Problems hat DIE LINKE ihren Antrag 16/9075 eingebracht. Darin haben wir die Bundesregierung aufgefordert, einen Gesetzentwurf zur Änderung des Bundeswaldgesetzes vorzulegen. Unser Ziel war eine Erleichterung der Anlage von Agroforstsystemen durch eine klare Abgrenzung der Begriffe „Agroforstsystem“ und „Wald“. Durch diese rechtliche Klarstellung würde erreicht werden, dass angelegte Agroforstsysteme nicht als Wald im Sinne des Bundeswaldgesetzes gelten. Auch hier haben weder Bundesregierung noch die Koalitionsfraktionen gehandelt - wie so oft! Das dritte Problem ist das schwierigste. Die gedankliche Schranke zwischen Land- und Forstwirtschaft muss wieder aufgebrochen werden. Das geht einerseits durch mehr Forschungs- und entsprechende Öffentlichkeitsarbeit und andererseits vor allem durch best-practice-Beispiele in vielen Regionen. Daher ist die Anlage von Agroforstsystemen gezielt zu fördern! DIE LINKE unterstützt die meisten der von der FDP im Antrag aufgeführten Forderungen. Sowohl die Änderung des Bundeswaldgesetzes, die Forderung nach mehr Forschung im Agroforstbereich, als auch die Entwicklung von agrartechnischen Konzepten zur Anlage von Agroforstsystemen finden unsere Zustimmung. Allerdings werden wir uns nur enthalten können, denn der Antrag enthält auch Forderungen, welche für DIE LINKE nicht akzeptabel sind. Dazu gehört, Agroforst als Klimaschutzsenke oder als Ausgleichs- und Ersatzmaßnahme anzurechnen. Die nächste Bundesregierung muss möglichst schnell eine Änderung des Bundeswaldgesetzes voranbringen. DIE LINKE wird dazu und zu weiteren Aspekten im Bereich der energetischen Nutzung von Holz bzw. im Bereich der Anlage von Agroforstsystemen ihre Vorschläge in den Bundestag einbringen. Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.