Skip to main content

Damit Arbeitshetze nicht krank macht -für besseren Arbeitsschutz, Arbeitszeitverkürzung und erweiterte Mitbestimmung

Rede von Jutta Krellmann,

Sehr geehrte Frau Präsidentin!

Sehr geehrte Damen und Herren!

Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Wachsender Leistungsdruck prägt immer mehr die Arbeitswelt in dieser Gesellschaft. Die Zunahme von Arbeitsstress hat gravierende gesundheitliche Folgen für Millionen von Menschen. Der jährliche Fehlzeiten-Report der AOK belegt, dass die Zahl der Krankheitstage wegen psychischer Belastungen von 1994 bis heute um 120 Prozent gestiegen ist. Psychische Erkrankungen sind in Deutschland mittlerweile die Hauptursache für Frühverrentungen.
Die Bundesregierung hat dieses Thema neuerdings für sich entdeckt. Die Gründe für wachsenden Arbeitsstress sind aber eigentlich schon lange bekannt:
Die erste und wichtigste Ursache in diesem Zusammenhang ist die Verdichtung von Arbeit. Die meisten Beschäftigten müssen heute mehr Arbeit in derselben Zeit leisten als vor wenigen Jahren. Krankenhäuser sind mittlerweile ein sehr gutes Beispiel dafür. So wurde in der Berliner Charité jahrelang Personal gekürzt. Jetzt ist eine einzelne Pflegerin in der Nachtschicht für die Pflege von 31 Patienten verantwortlich. Das ist Akkord im Krankenhaus, das verursacht Stress. Einen solchen Job macht man nicht nur wegen des Geldes, sondern auch aus sozialem Engagement und aus Liebe zu den Menschen.
Zweitens führt die zunehmende Entgrenzung von Arbeit zu Stress. Viele Beschäftigte können sich nicht mehr ausreichend von der Arbeit erholen. Der Achtstundentag ist für sie längst Vergangenheit. Unbezahlte Mehrarbeit nimmt breitflächig zu.
Drittens führt die Zunahme von unsicheren Arbeitsverhältnissen zu wachsendem Stress in vielen Unternehmen. Befristete Arbeitsverhältnisse nehmen seit einigen Jahren kontinuierlich zu, gleichzeitig Leiharbeit und Werkverträge. All dies zwingt Beschäftigte zum häufigeren Wechsel ihres Arbeitsplatzes, was auch wieder Stress bedeutet. Dies bedeutet auch größeren Konkurrenzdruck in den Belegschaften. Die Politik der Bundesregierung hat diese Entwicklung gefördert ebenso wie zuvor die Agenda 2010 von Rot-Grün.
Die Linke will mit drei gesetzlichen Maßnahmen den Stress am Arbeitsplatz verringern:
Erstens. Wir wollen den Arbeitsschutz verbessern. Konkret heißt dies: Wir unterstützen die Forderung meiner Gewerkschaft, der IG Metall, nach einer Anti-Stress-Verordnung. Damit werden im betrieblichen Arbeitsschutz verbindliche Standards zur Prüfung von Stressbelastungen verankert.
Zweitens. Wir wollen die Arbeitszeiten klarer regeln. Die gesetzliche Höchstarbeitszeit muss auf 40 Stunden verringert werden,
(Beifall bei der LINKEN)
und Überstunden müssen stärker begrenzt werden. Freizeit muss Freizeit bleiben.
(Beifall bei der LINKEN)
Drittens. Wir wollen die Einflussmöglichkeiten der Beschäftigten auf die Organisation der Arbeitsprozesse im Betrieb deutlich verbessern. Dies bedeutet: Beschäftigten und ihren Betriebsräten muss Einfluss auf die Personalausstattung ihres Arbeitsbereichs gegeben werden, um die gestellten Anforderungen erfüllen zu können. Sie müssen an diesen Entscheidungen beteiligt werden. Sie brauchen Vetorechte gegen den Einsatz von Leiharbeit und Werkverträgen, wenn Stammbeschäftigte ersetzt werden sollen.
(Beifall bei der LINKEN)
All diese Maßnahmen hätte die Bundesregierung längst anpacken können, wenn sie dieses Thema ernst genommen hätte. Stattdessen hat sie jahrelang von flexibler Arbeit geschwärmt und dabei billigend in Kauf genommen, dass private Unternehmen ihre Gewinne auf Kosten der Gesundheit ihrer jeweiligen Beschäftigten erhöhen. Damit muss Schluss sein.
(Beifall bei der LINKEN)
Die Bedürfnisse der Beschäftigten müssen Vorfahrt bekommen vor den Profitinteressen der Unternehmen.
Vielen Dank.
(Beifall bei der LINKEN)